Vom Auto verabschiedet. Gekauft hatte ich ihn (ihn = den Nissan Micra, dem ich dann den Namen Aton gab) bevor ich nach Braunschweig ging, denn, nunja, Autogegend, da erschien es sinnvoll, ein Auto zu haben. Am Anfang habe ich ihn noch genutzt, um zwischen Berlin und Braunschweig, und vor allem zwischen Braunschweig und Wolfsburg zu pendeln, wo ich zu meiner Überraschung arbeitete (ich kannte bis zum ersten Arbeitstag nur den Braunschweiger Standort, wußte nicht mal was von dem in Wolfsburg). Recht schnell schon aber wechselte ich auch dort wieder zu öffentlichen Verkehrsmitteln, auch wenn der Zug nach WOB nur stündlich fuhr, war das immer noch angenehmer, als morgens mit dem Auto zu fahren, auf der Heimfahrt im Stau zu stehen und dann noch Parkplatz suchen zu müssen. Und die Zugfahrt nach Berlin war nicht nur deutlich entspannter als die A2, sondern auch schneller. Anton stand schon in Braunschweig viel rum, wurde hauptsächlich für gelegentliche Ausflüge in den Harz und die Fahrt nach Berlin für den Weihnachtsurlaub genutzt. Und vielleicht mal zu Ikea, aber selbst dort hin bin ich mit der Straßenbahn, wenn ich nicht viel kaufen wollte. Für den Umzug nach Berlin war er dann noch mal sehr praktisch und dann stand er wieder. Sehr bald schon hauptsächlich beim Schwesterherz, weil sie einen großen Parkplatz „vor der Tür“ hatte, wo sie auch immer mal wieder ein Auge drauf werfen konnte, ob er wieder Werbezettelchen gesammelt hat. Sehr bald wurde sie auch diejenige, die ihn hauptsächlich nutze, auch, weil mein Fersensporn sich so gar nicht mit der etwas seltsamen Lage des Gaspedals (das weiter in den Fußraum rein ragt als die anderen beiden) vertrug. Irgendwann fiel mir auf, daß ich schon mehrere Jahre nicht mehr Auto gefahren war und ich nutze Anton, um in den Garten der Eltern zu fahren. Auf dem Rückweg hatte ich dann wieder so viel Sicherheit, daß ich auch wieder das Radio angemacht habe. Dann fuhr ich wieder lange nicht und folgerichtig zog Anton mit dem Schwesterherz um – immer noch gut zu Fuß erreichbar, aber nicht mehr ganz so nah. Ich nutzte ihn dann noch ein Mal, um zur Arbeit zu kommen, als wegen Sturmschäden die S-Bahn nicht fuhr und es auch keinen Schienenersatzverkehr gab. (Bis dahin hatte ich so lang hin und her überlegt, daß der Berufsverkehr gründlich vorbei war – und die letzte Fahrt war auch noch nicht sooo lang her). Das war es dann für mich. Das war es dann für mich. Für meine Aktivitäten fand ich die öffentlichen Verkehrsmittel praktischer, oder ich bin beim Schwesterherz mitgefahren, die mich dann praktischer Weise auch oft abholte. Sie nutzte ihn aber noch oft (glaub ich). Bis dann der Schwesterfreund auftauchte, der auch ein Auto hat(te), ein deutlich größeres, mit dem man auch mal bequem ein Fahrrad oder zwei Kanus mitnehmen kann. Ich hatte vor einiger Zeit schon gesagt, daß man mal überlegen kann, ob man den Anton überhaupt noch braucht, als Schwesterherz im Herbst dann fragte, ob ich einverstanden bin, daß der Schwesterfreund sich drum kümmert, ihn zu verkaufen, war ich sofort einverstanden. Als er dann aber Silvester meinte, daß er dann mal die restlichen Papiere dafür braucht, wurde es plötzlich konkret und ich sehr heftig sentimental. Der hat uns in den Harz gebracht! Und an die Ostsee! (Die Pendelei nach BS kam mir da lustiger Weise nicht in den Sinn). Aber realistisch betrachtet: ich bin seit ewig nicht mehr gefahren, er wird auch nicht jünger, bekommt mehr Macken und vom Rumstehen wird er auch nicht besser. Gestern erzählte sie dann, daß sie eine Abschiedsfahrt mit ihm gemacht hätten (sie mußten sowieso wo hin) und ihn heute dann ausräumen wollen. Also meldete ich mich an, daß ich da dabei sein will um noch mal Tschüß zu sagen (den zweiten Autoschlüssel habe ich ja mit den Unterlagen abgegeben). Passenderweise regnete es. Mit Ausräumen waren sie schon fast fertig als ich kam.Ich hab mich noch mal rein gesetzt, auch auf den Fahrersitz. Noch ein paar Fotos gemacht. Und dann zugesehen, wie der Teddy und der Schutzengel in das Auto vom Schwesterfreund umgezogen sind. Ich bin immer noch etwas sentimal. Vor einiger Zeit las ich im Internet eine Diskussion zum Thema Führerschein, und daß der zumindest für die Jugendlichen auf dem Land ein Stück Freiheit bedeutete. Ich bin in Berlin groß geworden, für mich reichte der öffentliche Nahverkehr, der ein riesiges Gebiet erschloss. Führerschein habe ich hauptsächlich gemacht, um Vati als einzigen Fahrer in der Familie zu entlasten (bei Urlauben, Familienfeiern…). Aber dieses Auto bedeutete für mich eben doch auch ein Stückchen Freiheit, denn im Harz oder da hoch an die Ostsee war es mit Auto einfacher. Nur braucht man für solche seltenen Fahrten nicht zwingend ein eigenes Auto. Zumal die Parkplatzsituation hier in der Gegend auch nicht einfacher wird. Ist schon ok so. (Und vielleicht wird ja der Harz irgendwann auch mal so gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen, daß man da kein Auto mehr braucht. Ich erinnere mich an eine Bushaltestelle, an der laut Aushang ein Mal am Tag ein Bus hält.)