BS-Wolfenbüttel und weiter per Rad

Der neue Sattel muß ausgiebig getestet werden, also steht eine Radtour an. Die Entscheidung fiel auf Wolfenbüttel und weiter, und da die Strecke Wolfenbüttel und zurück nur 30 km umfaßt, kann man durchaus etwas später starten. Um halb 12 erst komme ich los. Und schon kurz nach dem Start fällt mir auf, daß Portemonaie und Handy noch zu Hause liegen. Umdrehen will ich aber auch nicht mehr, es muß auch so gehen.

Vom Stadtpark aus geht’s immer an der Oker entlang nach Süden. Das Wetter ist wolkenreich aber warm. Dementsprechend ist auch relativ viel los am Südsee. Aber je weiter ich nach Süden komme, desto ruhiger wird es.

Am Rand der Mittelterasse gibt es den ersten schönen Ausblick:

Landschaft wie aus dem Urlaub

Landschaft wie aus dem Urlaub, nur die Autobahn im Rücken stört ganz enorm. Vor allem auch, da man dank ihr nicht einfach geradeaus fahren kann, sondern erstmal ordentlich bergab, unten unter der Autobahn durch und auf der anderen Seite die ganze Strecke wieder bergauf. Von da aus kann man dann noch weiter gucken.

Kurz nach Erreichen der ersten Häuser von Wolfenbüttel gibt es dann die erste Diskrepanz zwischen Tourenbeschreibung, Karte und Realität. Den beschriebenen Weg gibt es zwar, er ist aber auf der Karte nicht eingezeichnet und scheint auch anders zu verlaufen als beschrieben. Und auf meiner Karte sind kaum Straßennamen eingezeichnet, was die Orientierung etwas erschwert. Macht aber nichts. Wolfenbüttel ist nicht groß und hat nette Einwohner. Also mindestens einen, der mir nämlich auf der Karte zeigt, wo ich gerade bin. Und kurz danach habe ich auch in der Tourbeschreibung die Orientierung wieder.

Im Zentrum Wolfenbüttels angekommen entscheide ich mich erst einmal für eine Stadtbesichtigung. Die Fußgängerzone ist  schöner als die von Braunschweig, und für Sonntag Mittag ist erstaunlich viel los.

Marktplatz mit Reiterstandbild

Marktplatz mit Reiterstandbild

Zufällig lande ich vor der Touristeninformation und überlege, ob ich den Stadtplan der davor steht abfotografiere um in kommenden Zweifelsfällen auch nach Straßennamen suchen zu können, oder ob ich drinnen nach einem Stadtplan frage. Ich entscheide mich für letzteres und bekomme den Stadtplan sogar geschenkt, weil es demnächst neue geben wird. Aber alle neuen Stadtteile sind schon drin, wird mir versichert, nur ist das Zollamt noch eingezeichnet, obwohl es das nicht mehr gibt.

Was aber nicht eingezeichnet ist, sind die Ziele, die Touristen so interessieren könnten. Und da hat Wolfenbüttel ja ein bißchen was: Das Schloß, die Bibliothek, an der Leibnitz und Lessing wirkten, und das Wohnhaus des letzteren.

Nun, daß Schloß liegt am Schloßplatz, der immerhin ist eingezeichnet. Da ich ja kein Geld dabei habe, bleibt es bei einer Besichtigung von außen. Mittagspause mache ich in der Bibliotheksrotunde zwischen Bibliothek und Lessinghaus,  die allerdings nicht mehr existiert, sondern nur als Pflasterung in der Wiese erkennbar ist.

Herzog August Bibliothek

Herzog August Bibliothek

Das Lessinghaus (Rückseite) mit Bibliotheksrotunde im Gras

Das Lessinghaus (Rückseite) mit Bibliotheksrotunde im Gras

Danach soll es weiter gehen nach Süden. Oderwald, Ösel und Asse stehen zur Auswahl. Ich entscheide mich für die Asse, weil es da mit Bismarckturm und Asseburg konkrete Ziele gibt. Dorthin soll es laut Tourbeschreibung erst einmal durch den Park gehen. Parkwege sind im Wolfenbütteler Stadtplan übrigens auch nicht eingezeichnet. Aber der Weg ist schon fast eine Fahrrad-Autobahn und dann doch nicht zu verfehlen.

Über Dörfer geht es nach Groß Denkte und dann Richtung Asse. Hat man die letzten Häuser hinter sich gelassen, geht es aufwärts. Auf der Karte ist vor dem Sportplatz eine starke Steigung eingezeichnet. Aber auch die Steigungen davor und dahinter haben es in sich. Sie sind nicht steil, aber es zieht sich. Ab Sportplatz geht es kurz halbwegs waagerecht, bevor es der Weg wieder ansteigt. „Ohne größere Steigungen“ steht in der Tourbeschreibung. Na, ich weiß nicht. Ich ziehe es vor zu schieben. Aber schön ist es im Wald. Wenn auch mal wieder nichts ausgeschildert ist. Irgendwann bin ich halbwegs oben und stehe an eine Kreuzung, an der es noch drei weitere Wege gibt. Wegweiser? Auf meiner Karte sehe ich aber nur zwei. Wegweiser? Fehlanzeige. Einzig eine große Infotafel des Eulenspiegelradweges gibt es, auf der immerhin steht, daß hier der Weg zur Asseburg abzweigt. Bei genauerer Betrachtung der Karte erkene ich, daß da von der Beschriftung ziemlich verdeckt tatsächlich noch ein dritter Weg eingezeichnet sein könnte, der zum Bismarckturm führt. Da Türme und Burgen immer oben stehen und der rechte Weg nach oben führt, entscheide ich mich für den. Kurz danach teilt sich der Weg, natürlich ohne Wegweiser. Ich entscheide mich spontan für den linken und zweifle schon, ob das die richtig Entscheidung, da lande ich auf einer Wiese. Und am oberen Ende der Wiese steht der Bismarckturm. Gefunden!

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Am Bismarckturm ist gar nichts los. Eigentlich ist  mir auf der ganzen Strecke durch den Wald kaum jemand begegnet. Aber der Turm ist offen, also steig ich hoch. Von oben kann man runter gucken. Und es steht an der Kante auch dran, was man da so sieht. Krakau (Polen) zum Beispiel in diese Richtung:

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Daß man bei gutem Wetter in dieser Richtung den Brocken sehen könnte glaub ich schon eher:

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Immerhin scheint gerade die Sonne und so mach ich am Fuß des Turms noch ne kleine Pause.

Dann mach ich mich auf die Suche nach der Asseburg. Zwei Wege gehen von hier oben ab. Einer in die Richtung aus der ich gekommen bin (das wäre unten dann wohl der rechte Weg gewesen) und einer am Kamm weiter. Es geht hoch und runter und irgendwann steht man vor einem Schild auf dem gewarnt wird, daß aus ökologischen Gründen keine Baumpflege erfolgt, tote Bäume und Äste also einfach um- und runterfallen können, auf dem Weg damit erhöhte Lebensgefahr besteht und der nur auf eigene Gefahr betreten wird. Wie bitte?

Vor allem steht dann ca. 5 Meter weiter eine große Infotafel zur Asseburg, immerhin eine der größten Burganlagen Norddeutschlands. Die Burg ist schon seit 1492 Ruine, aber so ein paar Reste stehen noch malerisch im Wald rum:

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Am anderen Ende der Burg dann angekommen, trifft man übrigens wieder auf das Warnschild der Niedersächsischen Landesforsten. Es wird also offensichtlich nur im Bereich der Burg keine Wegesicherung vorgenommen, was erklärt, warum die Burg nicht ausgeschildert ist. Aber warum? Wo es doch immerhin eine der größten – und damit ja was Besonderes ist?

Nun, für den Weg bergab ist mein Fahrrad nicht geeignet, weshalb ich recht bald wieder schiebe. Und es gibt wieder eine Weggabelung ohne Beschilderung (die Wege sind allesamt nicht in meiner Karte verzeichnet). Aber interessant ist der Wald, oder vielmehr dessen Untergrund. Da gibt es rechts vom Weg einen tiefen Trichter, komplett bewaldet, in den ein Einfamilienhaus bequem reinpassen würde. Ich vermute mal, das ist die Folge des Bergbaus dort.

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Irgendwann bin ich wieder am Sportplatz angekommen und schwinge mich wieder aufs Rad. Der Anstieg vom Dorf zum Sportplatz mag quälend sein, in umgekehrter Richtung, bergab, ist es einfach nur Klasse. Leider steckt der Tacho noch in der Lenkertasche, so daß ich nicht weiß, wie schnell ich dort werde.

Zurück nach Wolfenbüttel geht es dann über andere Dörfer, und über eine der ältesten Gewölbebrücken, die sogar einen eigenen Rastplatz hat, aber absolut unspektakulär aussieht.

An der Oker angekommen mache ich noch mal Pause und esse mein letztes Brötchen.

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Danach geht es wieder quer durch die Stadt.

Die Tourenbeschreibung schlägt der Abwechslung halber den Rückweg über die B79 bis Sternhaus und dann durch den Wald und Felder vor. Kann man machen. Aber die B79 ist schon stark befahren.

Kurz vor 8 bin ich dann wieder zu Hause. Nach ca. 55 km. War schön. Nächstes Mal sollte ich daran denken, die Schulterblätter mit Sonnenmilch einzukremen, wenn ich ein ärmelloses Top anziehe. Und der Sattel ist OK, aber nicht perfekt.

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