Einmal quer durchs Riesengebirge

In der ersten Oktoberwoche war ich im Riesengebirge. In 5 Tagen ging es vom östlichen Zipfel des Isergebirges aus nach Osten bis zur Schneekoppe.

Zum „Einlaufen“ haben wir am ersten Tag eine Runde durch das Isergebirge gedreht. Nunja, nicht so mein Fall, zumindest nicht zu Fuß, denn mindestens zwei drittel der Strecke waren die Wege befestigt. Und außerdem hatte ich permanent das Gefühl, das schon mal gesehen zu haben. Die Moore erinnerten mich an Finnland, der Wald an den Harz. Im Gegensatz zu Harz aber gibt es im Isergebirge keine Eisenleitern oder gar Treppen um auf Felsen hoch zu kommen. Hier ist noch selberklettern angesagt. Also von den Wegen mal abgesehen, ist das Isergebirge schon recht schön. (Klicken macht alle Fotos noch etwas größer.)

erster Ausblick

Bei dieser Formation war unten einfach nur ein Pfeil nach oben. War auch gar nicht soooo schwer. Und von oben sah man… Wald (und Berge).

da kann man hoch

Das hier ist der Edelsteinfluß (oder -bach?). Man soll da wirklich Edelsteine finden können. Mit viel Geduld. Und Ausdauer.

Am Edelsteinfluß

Am nächsten Tag ging es dann richtig los. Alles Gepäck auf den Rücken und auf ins Riesengebirge. Vorher nochmal Wasser aus dem Isergebirge:

Jizerka

Das Riesengebirge fällt auf seiner polnischen Seite steil ab (im Gegensatz zur tschechischen Seite, wo das etwas gemächlicher geht) – es war also nur folgerichtig, daß wir auf der polnischen Seite aufgestiegen sind. Die ersten Eindrücke entsprachen nicht dem, was man gemeinhin als schön bezeichnet. Waldsterben hat es hier wirklich gegeben. Aber das bunte Laub der Blaubeersträucher in der Sonne machte vieles wieder wett.

Blaubeerfelder

Wir waren schon zeitig an der Vosecká bouda, unserem Tagesziel. So konnten wir dann ohne Gepäck noch mal raus und die Abendsonne bewundern, genießen (und Fotos machen).

Vosecká bouda

Blick aufs Isergebirge

Die Vosecká bouda ist noch sehr ursprünglich. Es gibt Zwei-Bett-Zimmer, aber sanitäre Einrichtungen für alle gemeinsam und Strom nur vom Generator. Darum gibt es Licht auch erst ab 7, wenn der Generator läuft. Und ein Taxi kann man dort auch nicht bestellen (wie es zwei ältere deutsche Damen versucht hatten). Aber dafür gibt es die ganze Nacht lang röhrende Hirsche zu hören. Zumindest im Oktober. Wenn es kalt genug ist.

Am nächsten Tag dann gab es Nebel. Oder vielmehr wohl sehr tiefhängende Wolken. So dicht, daß es gar nicht viel Mühe bereitet, die Mitwanderer nur noch zu hören, nicht aber zu sehen.

Grenzstein (obendrauf!) im Nebel

Auf dem Kammweg (der immer mal von der tschechischen auf die polnische Seite wechselt und zurück) ging es erstmal bis zum Abzweig der Elbequelle. Und dann zum Elbefall. Den kann man leider nur von oben sehen, trotzdem finde ich ihn sehenswerter als die Elbequelle. (Wer sich wundert, wieso, kann ja mal nach Bildern der Elbequelle suchen in den Weiten des www).

Der Elbefall

Danach ging es dann allmählich den Hang wieder hoch zum Kamm und weiter zu den Schneegruben. Da hat mein leider nicht viel gesehen. Die Welt ist verdammt klein, wenn sie in Wolken gehüllt ist.

Am Kamm entlang ging es weiter Richtung Osten.  Als wir das Hohe Rad passiert hatten, hoben sich die Wolken, so daß wir wieder etwas von der Welt um uns rum sehen konnten. Nur grau war es immer noch. Und wurde auch nicht mehr besser an dem Tag.

Blick Richtung Spindlerbaude

Beim Abendessen im Hotel (Erlebachbaude) dann konnten wir wunderbar sehen, wie die Wolken vor dem Fenster wieder deutlich dichter wurden.

Der nächste Tag begann ähnlich wie der vorherige aufgehört hatte. Nur hoben sich die Wolken schneller. Es ging weiter auf dem Kamm entlang und man konnte wunderbar sehen, daß unten in Polen schönstes Wetter war.

Wolken

Bei uns oben auf dem Kamm kämpfte sich die Sonne aber auch durch die Wolkenschleier, so daß es gelegentlich zumindest heller wurde.

Kammweg zwischen Wielki Staw und Mały Staw

Ziel für die Mittagspause war die Wiesenbaude, die auf einem fast ausschließlich mit Gras bewachsenem Hochplatau liegt. Da haben wir gemerkt, daß es nicht nur sehr wolkig, sondern auch verdammt windig ist. Aber schön ist die Lage schon:

Blick zurück auf die Wiesenbaude

Da das Personal dort offensichtlich nicht gern Gäste bewirtet, sind wir recht schnell wieder weiter gezogen. Die nächste Lokalität – das Chalupa Na rozsesti- war ja nicht sooo weit weg und wesentlich gemütlicher. Da sind wir eine ganze Weile geblieben, bis wir uns dann doch noch wieder auf den Weg gemacht haben.  Tagesziel war Lučiny unterhalb des Černá hora. Und weil wir ja wieder so zeitig da waren und der Černá hora sonst links liegen geblieben wäre, ging es nach dem Ablegen des Gepäcks auch da noch schnell hoch. Nunja, der Fernsehturm hat schon was, aber keine Aussichtsplattform. Der Aussichtsturm war schon zu und von der Bergstation der Seilbahn sah man auch nicht allzuviel. Außer, daß da gerade noch mächtig gebaut wird. Und zu nieseln fing es dann auch noch an. Dafür haben wir einen herrlichen Sonnenuntergang verpaßt, den man vom Hotel aus sehen konnte, vom Berg wegen der Bäume aber nicht. Aber wir waren pünktlich zum Abendessen zurück.

Fernsehturm mit obligatorischem Kunstwerk

Der letzte Tag dann war wieder eine Rundwanderung, also mit weniger Gepäck. Dafür mit mehr Höhenmetern. Durchs Obří důl, den Riesengrund, sollte es hoch auf die Schneekoppe gehen. Dazu mußten wir aber erstmal runter nach Pec pod Sněžkou (und diese Meter am Ende des Tages auch wieder hoch). Das Wetter war… grau. Die Wolken weit oben, aber ziemlich dicht. Immerhin regnete es nicht. Nur die Sonne fehlte natürlich zum Fotografieren. Herbstlaub sieht mit Sonne doch noch schöner aus.

Pec pod Sněžkou (ein kleiner Teil zumindest)

Im Riesengrund

Im Riesengrund geht es ja erstmal eine ganze Weile so halbwegs auf einer Höhe lang. Dafür steigt der Weg nach der Kapelle dann so richtig steil an. Das wird dann schon ein wenig anstrengend. Aber irgendwann ist man dann oben (und das irgendwann dauert nicht so lang wie in der Hohen Tatra).

Blick hinüber zum Aupafall

Oben bedeutet in diesem Fall ersteinmal: Auf dem Obří sedlo, einem Bergsattel. Da ist es wiedermal verdammt windig. Aber dafür steht dort das Schlesische Haus, wo man richtig gut essen kann. Leider war es nicht sonderlich beheizt, aber so kurz vor dem Ziel will man ja eh nicht mehr lange Pause machen. Also ein letzter knackiger Aufstieg über Geröllfelder, Gesteinsschotter (und Weg), und man ist oben. Von oben dann kann man hinübersehen zur Wiesenbaude. Und überhaupt in alle Richtungen. Und Vögel beobachten kann man auch.

Blick zur Wiesenbaude

Alpenbraunelle

Zurück ging es dann ersteinmal zu Fuß zur Mittelstation der Seilbahn. Als wir dort dann auf die nächste Abfahrt warteten, setzte leichter Schneegriesel ein. Der wandelte sich dann auf der Fahrt runter nach Pec zu Nieselregen, hörte aber wieder auf, kaum, daß wir unten angekommen waren. Auf dem Weg zurück von Pec nach Lučiny vorbei an etlichen Gebirgswiesen hatte ich dann schon den Eindruck, der Winter kommt demnächst. Irgendwie lag sowas in der Luft. Abends, bei der letzten Kontrolle vor dem Schlafengehen war aber noch nichts von Schnee zu sehen. Am nächsten Morgen aber (viel zu zeitig wegen langer Heimfahrt), da war alles weiß überzuckert.

Schnee

Unten in Pec war es dann aber nur Niesel.

Schön war’s. Wetter war in Ordnung (nur bei den Schneegruben hätten weniger Wolken sein können). Zu kurz war’s. Also als Urlaub – das Gebirge ist nunmal nicht viel länger. Und anstrengend war es so nicht, außer mal zwischenzeitlich bei den Anstiegen. Aber ich bin nie todmüde ins Bett gefallen. Insgesamt gelaufene Kilometer und Höhenmeter? Keine Ahnung. Aber ich sollte noch mal hin. Mit mehr Zeit. Da gibt es noch eine ganze Menge zu entdecken, glaube ich.

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Ein Kommentar

  1. Otti

     /  30. Oktober 2011

    Schön.

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