Auf der Drawa

Eigentlich wollte ich jetzt auf Island sein. Wasserfälle und Geysire bestaunen, in heißen Quellen baden, Vulkane besteigen, über Lavafelder wandern… sowas. Als ich dann aber zum zweiten Mal wegen Fersensporn krank geschrieben war, hab ich eingesehen, daß Wanderurlaub dieses Jahr nicht geht und die Reise storniert. Somit mußte ich recht spontan etwas Neues finden, etwas, wo man den Fuß möglichst wenig braucht. Wenn es trotzdem aktiv sein soll, bleibt eigentlich nur paddeln. Für spontane Reisen ohne großen Organisationsaufwand empfehlen sich organisierte Reisen. Die haben zudem den Vorteil, daß man in Gegenden kommt, auf die man allein vielleicht nicht gekommen wäre. In den Drawienski Nationalpark zum Beispiel. Den kennt in Deutschland fast keiner. In Polen, wo er liegt, sieht das schon anders aus. Der vorherige Papst (Johannes Paul II.) war nämlich begeisterter Paddler und war auf so ziemlich jedem Fluß unterwegs. Das hatte mehrere Folgen: Zumindest im Drawienski Nationalpark (durch den die Drawa fließt) gibt es auf jedem Biwakplatz einen Gedenkstein für den Papst oder ein großes Kreuz. Und in Polen gehört es wohl dazu, auch mal dort zu paddeln. Das wiederum führt dazu, daß man auf dem Fluß – gern an schwierigen Stellen – von Gruppen von Kajakfahrern überholt wird, die ihre Gefährte kaum bis nicht beherrschen. Und schwierige Stellen gibt es da genügend. Aber wir hatten Glück, die polnische Hauptreisezeit war schon vorbei und so hielt sich das „Vergnügen“ in Grenzen.

Schwierige Stellen? Nunja, Nationalpark. Wenn da Bäume umfallen, dann werden sie einfach liegen gelassen. Auch wenn sie im Wasser liegen. Nur wenn es gar nicht anders geht, wird etwas frei geschnitten, sonst muß man eben oben drüber oder unten drunter durch – oder beides. Und genau das macht den Reiz dieses Flusses aus.

Baum liegt quer

Baum liegt quer

noch ein Baum im Wasser

Baum im Wasser

Außerdem gibt es da – wie es sich für einen ordentlichen Nationalpark gehört – jede Menge zum Teil eher seltene Tiere. Wir haben gesehen: einen Eisvogel, einen Mink, Wasserfledermäuse, das Ins-Wasser-Platschen eines Bibers (vermutlich), drei Adler (1 Fisch-, 1 See-, einer unbestimmt), Schwalben, diverse Minikröten und -frösche, Ringelnattern,  zwei Laubfrösche und jede Menge Libellen.

Laubfrosch

Zwei Libellen auf der Kanuspitze

Mit dem Termin der Tour hatten wir es ja besonders gut getroffen: wir waren in der Vollmondwoche unterwegs. So konnte man abends auch ohne künstliches Licht vom Lagerfeuer zum Zelt laufen – wenn denn der Himmel klar war. Das war er meistens, aber meine erste Gewitternacht im Zelt habe ich nun auch hinter mir.

Vollmond über dem Fluß

Vollmond mit Lagerfeuert

Vollmond überm Wald nach dem Gewitter

Und als wenn Vollmond und Gewitter nicht schon genügend Naturereignisse waren, gab es am letzten Abend auch noch richtig schön Nebel. Und am nächsten Morgen auch wieder. Das gab dann auch noch mal ein paar schöne Fotomotive.

Nebel auf dem Fluß

Kanus liegen auf dem Land - im Nebel

Vollmond bei Nebel

Wespenspinne im Spinnennetz mit Wassertröpfchen  Spinnennetz vollkommen benetzt mit Wassertröpfchen durch den Nebel

Schön war’s. Auf den Starkregen am ersten und am letzten Paddeltag hätte ich gut verzichten können. Und das Gewitter nachts, als wir schon im Zelt lagen hätte auch nicht unbedingt sein müssen. Aber zwischendurch schien ausreichend Sonne, es war immer warm genug. Und diese Ruhe da auf der Drawa war einfach himmlisch*.

Idyllische Drawa

Idyllische Drawa

Idyllische Drawa

Idyllische Drawa

*Gilt nicht zwingend für die Biwakplätze – die Polen lieben laute Musik.

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2 Kommentare

  1. Otti

     /  13. August 2012

    Sehr schön.Und nicht zu vergessen die eigenartigen Rufe des Waldkauz.

    Antwort
  1. Stadtbummel « Hier und da

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