Nachtrag: Winterurlaub 2013

Görlitz, Breslau und Glatz waren letztes Jahr ja nur Zwischenstationen auf dem Weg zu unserem eigentlichen Ziel, dem Altvatergebirge, bzw. der Durchquerung dessen auf Skiern. Von einem kleinen Dörfchen noch auf polnischer Seite starteten wir gleich ordentlich: 800 Höhenmeter den Grulicher Schneeberg hinauf. Es der Weg führte durch wunderbarste Winterlandschaft, und je höher wir kamen, desto dicker waren der Schnee auf den Bäumen.

Altvatergebirge Tag 1 - beschneite Bäume Altvatergebirge Tag 1 - dick beschneite Baeume

Leider wurde es immer nebliger, je höher wir kamen. Ganz oben waren wir dann froh, wenigstens noch die nächste Markierungsstange zu erkennen. Auf der anderen Seite des Berges, etliche Höhenmeter tiefer war der Nebel wieder verschwunden und schließlich gab es sogar sowas wie Aussicht.

Altvatergebirge Tag 1 - auf dem Schneeberg Altvatergebirge Tag 1 - Skiläufer in Winterlandschaft

Altvatergebirge Tag 1 - sowas wie Aussicht

Am nächsten Tag war das Wetter ähnlich, vor allem aber lag die Temperatur deutlich höher. Sie bewegte sich so um die 0°C, was dazu führte, das der Schnee fürchterlich pappte. Aber immerhin blieb der Schnee noch auf den Bäumen.

Altvatergebirge Tag 2

Am nächsten Tag nämlich, war es nicht nur windig und immer wieder neblig, es war auch noch ein bißchen wärmer, so daß es nun wirklich anfing zu tauen.

Altvatergebirge Tag 3 - Aussicht mit Nebelfeldern

Man wird automatisch schneller, wenn man durch einen ehemals dick verschneiten Wald läuft und zu hört, wie die Schneebatzen rechts und links runterdonnern. Getroffen werden möchte man davon nicht.

Altvatergebirge Tag 3 - Skiwandergruppe im Nebelwald

Bis auf diesen Nervenkitzel sah der Tag über weite Strecken eher trostlos aus. Über längere Abschnitte mußten wir die Ski sogar tragen, weil einfach kein Schnee mehr auf der Straße war.

Altvatergebirge Tag 3 - Nebelwald

Ein Höhepunkt im wahrsten Sinne war dann die Übernachtung: im Berghotel auf dem Šerák. Hoch ging es mit dem Sessellift – meine erste Sesselliftfahrt mit Skiern unter den Füßen. Und um es nicht zu einfach zu machen, gab es vor der Bergstation noch dicken Nebel und heftigen Seitenwind. Der immerhin sorgte dafür, daß der Weg von der Bergstation zum Hotel ohne Anstrengung zurückzulegen war. Einfach auf die Ski stellen, sich ganz groß machen und vom Wind schieben lassen – und dann rechtzeitig bremsen um die scharfe Rechtskurve zu erwischen.

Und dann verzog sich der Nebel nachts und man hatte plötzlich richtig Aussicht.

nächtlicher Blick vom Šerák

Nachteil: es wurde wieder richtig kalt, und alles was tagsüber angetaut war, fror zu einer Eisschicht ohne Gripp. Dazu wehte immer noch heftigster Wind. Eigentlich sollte es über den Kamm weitergehen, was bei dem Wind unmöglich war. Also erstmal runter ins Tal. Erstmal. Für 3 Kilometer Abstieg haben wir drei Stunden gebraucht, denn mit Langläufern steile eisglatte Waldwege runterfahren ist eher unlustig, selbst wenn sie Stahlkanten haben. Zu Fuß gehen war auch nicht möglich, die Harschschicht trug nicht und der Schnee darunter war so tief, daß wir bis zum Knie einsanken. Also kämpften wir uns den Berg auf Skiern, aber stampfend (um die Harschschicht zu durchbrechen) runter. Anstrengend! Die letzten Kilometer unten im Tal konnten wir dann locker zu Fuß gehen, dort war kein Schnee und auch kein Eis mehr. Und wir schafften es, so in Domasov anzukommen, daß wir nicht allzu lange auf den Bus warten mußten.

Altvatergebirge - Domasov Bushaltestelle

Der Bus brachte uns dann hoch auf den Rotbergsattel (Cervenohorske sedlo), wo wir erstmal Mittagspause machten – Nachmittags um 3. Der Zeitplan war völlig aus den Fugen geraten und es war klar, daß wir es niemals bis zum Abendessen bis zum Hotel auf dem Praded schaffen würden. Also wurde ein Transfer von der Schweizer Hütte zum Hotel auf dem Praded organisiert. Zur Schweizer Hütte mußten wir aber erstmal laufen. Die Sonne war schon untergegangen als wir uns auf den Weg machten. Hier oben war frisch gespurt worden, so daß es sich recht gut lief. Zumindest im Vergleich zur ersten Strecke das Tages. Es wurde dunkler und dunkler und irgendwann war es so dunkel, daß man ohne Stirnlampe nichts mehr sah. Und leider gab es auch immer wieder eisige Abschnitte ohne Gripp – gern an Anstiegen. Abschnallen und zu Fuß gehen war hier auch nur bedingt hilfreich, weil unter dem Eis kein lockerer Schnee, sondern fester Weg war. Es war also auch zu Fuß verdammt glatt. Irgendwann hatten wir es dann geschafft, wir standen an der Schweizer Hütte. Und mußten zusehen, daß unsere Ski nicht wegfliegen ohne uns. Von hier wurden wir in zwei Touren mit dem Schneescooter abgeholt. Jeweils einer durfte hinter dem Fahrer sitzen, 3 machten es sich im Anhänger „gemütlich“. Schon im Wald war es verdammt windig, als wir dann aber auf dem Weg zum Praded hoch die Baumgrenze hinter uns ließen, daß wir umkippen, oder aber aufrecht den Berg seitlich runtergeweht werden, so stark bließ der Wind. Der Scooter hatte zwischendurch wirklich Schwierigkeiten, vorwärts zu kommen. Dazu der aufgewirbelte Schnee, der für minimale Sicht sorgte – zum Glück wußte der Fahrer, wo er hin muß.

Auch am nächsten Tag war das Wetter nicht besser. Sicht wie am ersten Tag der Tour auf dem Schneeberg und heftigster Wind. Der Kammweg kam also nicht in Frage und so blieb nur die Abfahrt zu Bushaltestelle. Und nach dem es am Vortag nicht einfach gewesen war, zu Berggipfel hoch zu kommen, kostete es nun Anstrengungen, hinunterzugelangen. Es ist schon komisch, wenn man einen Abhang hinunter fahren will und das Gefühl hat, vom Wind wieder hochgedrückt zu werden. Zwischen den Bäumen wurde das schlagartig besser und an der Bushaltestelle kam wie zum Hohn die Sonne wieder raus. Das veranlaßte die Hälfte der Gruppe, doch einen Teil der Etappe auf Skiern zurücklegen zu wollen. Wir andern nahmen den Bus, organisierten an der Umsteigehaltestelle innerhalb von 30 Minuten für Pizzen zum Mittag (tschechische Kleinstädte sind nicht auf Fastfood eingestellt), aßen die im Bus und hoben die Reste für die ziemlich ausgehungerten Skiläufer auf, die ca. 2 Stunden nach uns im Hotel ankamen. Tja, und das war das Ende unserer Skiwanderung durch das Altvatergebirge.

Naja, fast. Einen Bonus gab es noch: Obwohl wir mehrfach darauf hingewiesen hatten, daß unser Bus sehr zeitig fahren würde und uns versichert wurde, daß wir vorher problemlos noch frühstücken könnten, standen wir zur vereinbarten Zeit vor verschlossenen Türen. Die öffneten sich erst kurz bevor unser Bus abfuhr. Also gab es statt einem gemütlichem Frühstück nur schnelle Sandwiches zum mitnehmen (mit Butter so dick, daß sie aussah wie Käsescheiben) und richtig gemütlich gefrühstückt haben wir dann erst am nächsten Bahnhof. Aber danach lief dann wieder alles nach Plan.

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: