Usedom im Nebel

Es ist inzwischen ja fast schon Tradition, daß ich mit dem Schwesterherz am Reformationstagswochenende zum Wandern irgendwo hin fahre (ab 2 mal ist doch Tradition, oder?). Dieses Mal ging es an die Ostsee, nach Usedom. Die Anfahrt am Donnerstag abend war ja vielversprechend: ein wunderbarer Sonnenuntergang und aus den Wiesen stieg malerisch der Nebel auf.

Blick auf's Haff

Blick auf’s Haff

Nebelwiesen

Nebelwiesen

Freitag früh war es dann grau. Sehr grau. Und es sah auch nicht so aus, als würde es bald besser werden, eher im Gegenteil. Also sind wir nach Peenemünde gefahren. Da kann man eine kleine Rundwanderung machen und diverse Museen besuchen – das schien die beste Kombination für das Wetter zu sein.

Ich gebe zu, ich war verdammt schlecht vorbereitet auf das Wochenende. Ich hatte schon diverse Male von Peenemünde gehört und es gibt dort gleich eine Handvoll Museen – da hatte ich schon mit einer größeren Stadt gerechnet, nicht nur mit einer Ansammlung von ein paar Häusern. Den Beginn des Wanderweges mußten wir trotzdem suchen, Peenemünde ist zwar groß, aber auch nicht übersichtlich.

Die Wanderung (oder vielmehr der längere Spaziergang) führte uns erst auf dem Deich entlang mit Blick auf die Peenemündung, dann an malerischen Ruinen vorbei (Bunkerreste), über nasse Wiesen und vorbei an Kühen die wirkten, als hätten sie noch nie Wanderer gesehen (wer dringend mal Aufmerksamkeit braucht, sollte dort vorbei gehen – jeder Schritt wird dutzendfach verfolgt).

Auf dem Deich

Auf dem Deich

keine römischen Ruinen, sondern Bunkerreste

keine römischen Ruinen, sondern Bunkerreste

Muh

Muh

Nach einem Mittagessen im Hafen (das ausgeschilderte Fischrestaurant ist inzwischen ein Italiener, der zwar auch Ostseefisch hat, aber nur eine Zubereitungsart kennt: in die Pfanne und ordentlich Knoblauch dazu), waren wir gleich noch im U-Boot. Viel Technik – viele Rohre, Kabel, Schalter, Stellräder, Anzeigen….. viel Sprelacart und eine gewisse Enge -letzteres hatte ich mir allerdings schlimmer vorgestellt. Nur mit den Luken hatte ich meine Probleme, die waren zu klein, ich zu groß, oder der Rucksack zu dick – es paßte jedenfalls nicht so richtig.

gut sortierte U-Boot-Technk

gut sortierte U-Boot-Technik

Das nächste Museum, an dem wir vorbei kamen war das im alten Kraftwerk. Hier wurde dann auch klar, warum Peenemünde so klein ist (nachlesen bei Wikipedia). Der Audioguide hat leider nichts zu erzählen zum Kraftwerk, was schade war, weil das der Teil war, der mich am meisten faszinierte (Technik! Groß! (und dreckig)). Auch Tafeln mit Erläuterungen gab es nicht allzu viele. Kommt vielleicht noch, der Teil des Museums schien noch recht neu zu sein. Bekannt ist das Museum ja eher für seine Dauerausstellung zur militärischen Geschichte (da ist das Kraftwerk ja nur ein kleiner Teil von), für die wir aber keine rechte Zeit mehr hatten, denn in der Wintersaison schließt das Museum um 16 Uhr. Ein Schnelldurchlauf zeigte aber: kann man noch mal wiederkommen für.

Was ich immer noch am beeindruckendsten finde: wir haben bei unserer Wanderung ja gesehen, wie nass die Wiesen dort sind – das mußte alles entwässert und verdichtet werden, um dort solch einen Klotz hinbauen zu können.

Links der Kohlekran, rechts das Kraftwerk

Links der Kohlekran, rechts das Kraftwerk

 Von ehemals 4 Öfen stehen noch zwei - der hier nicht mehr

Von ehemals 4 Öfen stehen noch zwei – der hier nicht mehr

Anzeigen! Taster! Schalter!

Anzeigen! Taster! Schalter!

 Schaltzentrale

Schaltzentrale

Halle der Sauerstofffabrik? - Es stand ja nichts dran

Halle der Sauerstofffabrik? – Es stand ja nichts dran

Quasi als Nachtisch wollten wir uns dann noch das Spielzeugmuseum ansehen. Das macht aber entgegen anders lautender Angaben im Flyer im Winter auch schon um 16 Uhr zu. So haben wir dann eben in der alten Wache einen heißen Kakao getrunken bevor wir zurück gefahren sind.

Am Sonnabend dann war es nicht nur grau, sondern auch ordentlich nebelig. Immerhin war kein Regen angedroht, also entschieden wir uns für die große Wanderung. Von Kölpinsee zum Loddiner Höft und danach an der Steilküste entlang bis Zinnowitz war geplant. Anreise mit der Bahn, die leider nur stündlich fährt und zwar eine halbe Stunde zu früh oder schon ganz schön spät. Nunja, sind wir eben wieder erst spät unterwegs. Vom Bahnhof Kölpinsee aus geht es ersteinmal eine halbe Ewigkeit die Strandstraße hoch durch den Ort Loddin, Einfamilienhäuser links und rechts, am Kreisverkehr links, dann hören die Häuser auf und da ist nur noch … Nebel. Naja, Wiese/Weide eigentlich, aber viel sieht man davon nicht.

Kuh im Nebel

Kuh im Nebel

Der Weg führt uns zum Achterwasser, wo wir bei Ankunft am Aussichtspunkt erstmal ein Schwarm Enten aufscheuchen. Wir hören sie vor allem, zu sehen ist nicht ja nicht viel. Immerhin ist tatsächlich ein wenig Wasser erkennbar am Fuße der „Klippe“ auf der wir stehen.

Loddiner Höft - Blick aufs Achterwasser

Loddiner Höft – Blick aufs Achterwasser

Zurück nach Kölpinsee und dort dann – das Frühstück ist Stunden her und mir hängt der Magen schon in den Kniekehlen – nach einer Möglichkeit zum Essen suchen. Gar nicht so einfach. Wir kommen an einem Frühstücksrestaurant (bis 12) vorbei, einem, das erst ab 17 Uhr aufmacht und einem Restaurant, das gerade den ersten Tag Betriebsruhe hat. Im Restaurant „Weiße Düne“ fühle ich mich mit den dreckigen Wanderklamotten zwar etwas fehl am Platz, aber wir sind sowieso die einzigen Gäste. Und das Essen ist fantastisch. Gut gestärkt und aufgewärmt ging’s am See vorbei für ein paar Möwenfotos an den Strand.

Kölpinsee

Kölpinsee

die zeigten uns die kalte Schulter

die zeigten uns die kalte Schulter

Möwenballett

Möwenballett

Dann haben wir uns an den „beschwerlichen“ Aufstieg gemacht. Nee, ein paar Treppen, nix dolles, und schon ist man oben und steht in einem tollen Buchenhochwald. Buchenwälder im Herbst sind ja ganz besonders toll: egal, wie das Wetter ist, unter den Buchen wirkt es sonnig, oder zumindest wesentlich freundlicher als sonst. Der Weg die Steilküste entlang hatte schon was, wäre vermutlich aber noch schöner gewesen, wenn Ostsee und Himmel nicht einheitlich grau gewesen wären.

wären Menschen auf dem Foto, könnte man erkennen, wie hoch die Bäume sind

wären Menschen auf dem Foto, könnte man erkennen, wie hoch die Bäume sind

Blick von oben

Blick von oben

Immerhin: kurz bevor wir den Streckelsberg erreichen (die höchste Erhebung der Usedomer Küste), kämpft sich die Sonne kurzzeitig durch die Wolken.

hellblauer Himmel!

Hellblauer Himmel!

Kurzzeitig. Als wir in Koserow ankommen ist es schon wieder sehr grau. Ab Koserow ist die Küste wieder flach. Der Weg führt erst hinter den Dünen durch den Wald, bis wir die Wahl haben zwischen „neben der Straße“ und „am Strand entlang“. Strand läuft sich anstrengender, ist aber doch angenehmer.

Seebrücke Koserow

Seebrücke Koserow

Wo hört der Himmel auf und fängt das Wasser an?

Wo hört der Himmel auf und fängt das Wasser an?

Kein Badewetter

Kein Badewetter

In Zempin brechen wir schließlich ab. Bei Nebel den Strand entlang zu wandern ist eher ereignisarm. Außerdem wird es wieder nebliger, die Wolken werden dichter, die Dämmerung setzt ein und allgemein ist es unfreundlich. Und da wir ja so schlau waren, uns den Fahrplan mitzunehmen, wissen wir auch, daß wir hier nur kurz auf den Zug zurück werden warten müssen.

Und weil wir ja den Tag über noch nicht genug gelaufen sind, gings nach dem Abendessen wieder an den Strand (wie jeden Abend). Einmal zur Seebrücke Ahlbeck und auf der Promenade zurück.

"Strandgut" vor Seebrücke

„Strandgut“ vor Seebrücke

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Auf dem Trockenen

Auf der Seebrücke

Auf der Seebrücke

Sonntag, Rückfahrt. Aber da läßt sich auf dem Weg quasi noch eine kleine Wanderung einbauen. Und nachdem wir ja schon die höchste Erhebung an der Usedomer Ostseeküste besucht haben, neben wir jetzt auch noch den höchsten Berg Usedoms mit, den Golm. Bis ganz auf den „Gipfel“ kommt man nicht, aber man kann ihn immerhin umrunden. Den in der Wanderbeschreibung erwähnten Parkplatz in Gartz haben wir nicht gefunden und uns stattdessen vor die Kirche gestellt. Dann geht es erstmal auf einem gepflasterten Weg Richtung Kamminke. Der Weg wirkt ein bißchen absurd. Rechts und Links nur Landschaft und in der Mitte dieser gepflasterte Weg. Gut, er führt schließlich am alten und am aktuellen Friedhof vorbei, am ehemaligen Zeltplatz und schließlich ist man in Kamminke. Die Straße heißt „Bergstraße“ und ich amüsierte mich innerlich noch leicht darüber – bis wir zum Haff abbogen. Da geht es wirklich steil bergab!

Auf dem aufgelassenen Friedhof

Auf dem aufgelassenen Friedhof

Kamminke - Bergstraße

Kamminke – Bergstraße

Das Wetter war leider immer noch nicht besser, und unten am Wasser wehte ein heftiger Wind. Aber das gehört ja so.

im Hafen von Kamminke

im Hafen von Kamminke

Immernoch kein Badewetter

Immer noch kein Badewetter

Von Kamminke aus ging es dann zum Golm, der nicht nur die höchste Erhebung Usedoms ist, sondern auch eine der größten Kriegsgräberstätten Deutschlands. Hier wurden im zweiten Weltkrieg erst Soldaten begraben und dann tausende Opfer des Luftangriffs auf Swinemünde.

Gedenkstätte Golm

Gedenkstätte Golm

Eigentlich hätten wir den Golm komplett umrunden sollen, wegen Zeitdruck (ich hatte Sonntag abend noch was vor), entschieden wir uns für den in unserer Wanderkarte verzeichneten weg, der deutlich kürzer erschien. Es hätte uns stutzig machen sollen, daß dieser Weg erst an der zweiten Abzweigung ausgeschildert war, das setzte sich nämlich fort: Schild nur an jeder zweiten Kreuzung – und Wegkreuzungen gab es leider mehr als unserer Karte zu entnehmen waren. Und irgendwann hatten wir den Weg dann verloren, aber nicht gänzlich die Orientierung. Und so stapften wir dann schließlich an einem elektrozaungesicherten Feldrand entlang – links der Zaun, rechts Gestrüpp – und scheuchten ein paar Rehe auf, kamen aber auch da an wo wir wollten und hatten vermutlich sogar ein wenig abgekürzt.

Und als wir am Auto ankamen, da kam die Sonne raus.

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