Himmelfahrtswandern – Heimgarten und Herzogstand

< editiert am 25.5.: Fehler beseitigt, technische Daten ergänzt >

Herzogstand also. Am Freitag, in der Hoffnung, daß dann nicht ganz so viel los ist. Zum Herzogstand hoch fährt nämlich eine Seilbahn, was ja üblicherweise für viel Betrieb auf dem Berg sorgt. Wir wollten durchaus auch Seilbahn fahren, allerdings runter. Und da meine Recherche ergab, daß die Bahn nur bis 16:45 fährt, habe ich morgens ein bißchen gedrängelt. So waren wir tatsächlich schon gegen 10 am Parkplatz der Seilbahn – und der war noch ziemlich leer.

Es gibt verschiedene Wege hoch zum Herzogstand. Wir haben uns für die Tour über den Heimgarten entschieden. 5 1/2 Stunden bis zur Bergstation der Seilbahn sagt der Wegweiser am Parkplatz. Hinten links geht’s vom Parkplatz runter, auf einer Brücke über einen Bach, dann nach rechts, an ein paar Häusern vorbei und dann ist man im Wald. Der Weg führt am Bach entlang (Deiningbach sagt die Karte) und hat eine ordentliche Steigung. Schon nach ein paar Metern mache ich die erste Pause um mich auszuziehen. Es ist warm! Und ich bin froh, auch ein T-Shirt dabei zu haben. Der Weg verläßt den Bach irgendwann, wird aber nicht weniger steil. Die Karte habe ich mir erst hinterher genauer angesehen: der Weg verläuft exakt senkrecht zu den Höhenlinien. Was mir während des Wanderns schon auffällt: rechts und links geht es immer ziemlich schnell ziemlich steil runter. Da viel Wald, sieht man aber nicht viel. Inzwischen ist auf dem Weg auch ’ne ganze Menge los. Was mir auffällt, ist der äußerst geringe Altersdurchschnitt. Im Harz trifft man ja fast nur Rentner, hier sind viele höchstens Mitte 20. Zumindest von denen, die uns öfter überholen, weil sie zwar schneller gehen, aber viel mehr Pausen machen als wir.
Und dann wird der Weg flach und der Wald lichter und man sieht, daß es ein paar Meter rechts und links vom Weg wirklich bergab geht und man sieht den Grat vom Heimgarten zum Herzogstand.

Links der Heimgarten, rechts (zwischen den Zweigen) der Herzogstand, dazwischen der Grat

Links (weiß) der Heimgarten, rechts (zwischen den Zweigen) der Herzogstand, dazwischen der Grat

Danach geht’s leicht bergauf weiter um einen Berg drumrum (den Rotwandkopf) vorbei an einem Ausblick auf den Walchensee.

Touripostkarte

Touripostkarte

Und dann geht es bergab zu einer Alm – oder zumindest zu einem unbewaldeten Sattel. Es geht nicht doll bergab, aber immer wieder über Schneefelder. Huch.

Am Wegweiser im Sattel dann ein kleiner Schock: 4 Stunden soll man von hier bis zur Bergstation der Seilbahn benötigen. Das heißt, für die zurückliegende Strecke hätte man 1,5 Stunden benötigen dürfen. Wir haben 2,25 gebraucht – also 50% mehr. Das macht mich etwas unentspannt. Denn wenn wir für den Rest der Strecke auch so viel mehr brauchen sollten, dann hätten wir keine Chance, die Seilbahn zu nehmen. Was bedeutet: 1,5 Stunden noch bergab laufen. Sowas finde ich schon sehr nervig, die Knie vom Schwesterherz aber noch viel viel mehr. Aber was soll’s, weiter müssen wir sowieso. Und aus dem Sattel geht’s gleich wieder knackig bergauf. Und weil wir beide Hunger haben, machen wir nach der dritten Kehre erstmal Mittagspause. Danach ist der Weg leider nicht besser, im Gegenteil. Durch die Pause habe ich meinen Laufrhythmus verloren, finde ihn bei dem steilen Weg auch nicht so richtig und dann wird der Weg auch noch naß und glitschig. Diverse Kehren weiter oben wird auch klar, warum: wir laufen schon wieder über Schnee. Bzw. durch Schnee. Er liegt hier noch so hoch, daß man ziemlich einsinkt. Irgendwann auf dem Weg hatte ich die Hosenbeine hochgekrempelt. Das mache ich jetzt ganz schnell rückgängig um nicht zu viel Schnee in die Schuhe zu bekommen (wir haben Gamaschen, wir waren gewarnt worden vor der Reise, daß wir sie unter Umständen benötigen – ich habe meine zu Hause vergessen, das Schwesterherz ihre in unserer Unterkunft). Dazu kommt, daß es ja kein Neuschnee ist, sondern verharrscht und angetaut – also wenig griffig. Und der Weg ist steil. Wir kämpfen. Die entgegenkommenden Wanderer schlittern und rutschen – nicht immer gewollt.

Schneewandern

Schneewandern

Aber schließlich ist es geschafft und wir stehen auf der Terasse der Heimgartenhütte. Hier holen wir uns Kuchen (Mittagspause hatten wir ja schon) und Apfelschorle und ich erkundige mich gleich noch, wie lang man bis zur Bergstation der Seilbahn braucht (das macht mir ja schon Sorgen). Eine bis anderthalb Stunden war die Antwort, die mich etwas beruhigte. So viel Zeit haben wir noch, auch noch für die Pause. Da sonst alle Plätze belegt sind, sitzen wir schließlich einem Pärchen gegenüber, das, wie sich schnell heraus stellte, die gleichen Pläne und Sorgen hat wie wir. Da sie schon vor uns da waren, gehen sie auch vor uns wieder los. Aber nicht viel. Auch uns treibt es bald weiter. 16:45 ist für die letzte Bahn aber auch verdammt früh!

Eigentlich wollen wir gar nicht unbedingt zum Gipfelkreuz hoch, da die Ausschilderung aber verwirrend bzw. nicht vorhanden ist, landen wir dann doch unterm Kreuz bevor wir den Weg finden. Und nun sind wir es, die schlittern. Die Ostseite des Heimgarten ist noch gut verschneit und zum Grat geht es ersteinmal ordentlich bergab. Ich versuche verschiedene Techniken: in den Fußstapfen von vorherigen Wanderern – aber die machen teilweise verdammt große Schritte. Oder kontrolliert schlittern/rutschen – wobei ich mir da immer nicht sicher bin, wie lang das wirklich kontrolliert ist. Gelegentlich versuche ich auch einfach durch den noch unberührten Schnee zu stapfen – da sinkt man aber gern mal bis übers Knie ein, was eher unschön ist (und das fortkommen behindert). Schließlich ist aber auch das geschafft und wir laufen den äußerst schönen Gratweg entlang. Gelegentlich darf man mal ein wenig klettern – aber alles nicht wirklich schwer.

Unterm Gipfelkreuz des Heimgarten - der Weg geht da hinten runter.

Unterm Gipfelkreuz des Heimgarten – der Weg geht da hinten runter.

der Heimgarten von weiter unten

der Heimgarten von weiter unten

auf dem Grat

auf dem Grat

Schwierig wird es erst am Anstieg zum Herzogstand hoch. Da ist an einer Stelle der Weg hoch nicht ganz klar und ich entscheide mich natürlich für die schwierige Variante… Oben auf dem Herzogstand treffen wir dann das Pärchen von der Heimgartenhütte wieder – und tauschen unsere Erfahrungen mit dem Schnee aus. Und dann genießen wir den Ausblick. Die versprochene Sicht bis München gibt es leider nicht, aber man sieht schon viel Gegend.

links Kochelsee, rechts Walchensee, in der Mitte das Gipfelkreuz des Herzogstand

links Kochelsee, rechts Walchensee, in der Mitte das Gipfelkreuz des Herzogstand

Viel Gegend. Und Berge!

Viel Gegend. Und Berge!

Das Gipfelkreuz des Herzogstands steht unterhalb des Gipfels auf einem Nebenplateau. Das müssen wir eigentlich nicht unbedingt hin, aber da der Weg nun schon daran vorbei führt, nehmen wir es doch mit. Und treffen das Pärchen von der Hütte wieder. Und eine andere Familie, der wir beim Aufstieg ein paar mal begegnet  waren. „Immer die gleichen!“ (Was ja gar nicht stimmt, da sind ja jede Menge Seilbahnfahrer unterwegs, aber die zählen nicht.)

Gipfelkreuz (ach nee!)

Gipfelkreuz (ach nee!)

Der weitere Abstieg ist unspektakulär. Klar, ist ja ausgebaut für Seilbahnfahrer (und die sind teilweise mit Schuhwerk unterwegs…!) Wir werfen kurz einen Blick auf die Terasse des Berggasthauses, entscheiden aber, uns lieber unten am See was zu suchen – wir wollen schließlich nicht die letzte Bahn verpassen! Und außerdem kennen wir die Aussicht ja nun schon.

Gegen halb 5 sind wir dann tatsächlich an der Bahn (die an dem Tag sogar bis 17:15 gefahren wäre). Wir bekommen unsere Tickets, aber leider keine Empfehlung wo wir am nächsten Tag noch wandern könnten.

Seilbahn vor Gegend

Seilbahn vor Gegend

Unten dann haben wir leider nicht so viel Glück bei der Suche nach einem schönen Café. Aber so setzen wir uns dann einfach so ans Ufer des Sees (naja, einfach…) und genießen die Sonne und den Ausblick und lesen bis es zu kühl wird.

schon ein bißchen kitschig

Auf der Heimfahrt halten wir in Murnau, weil das Schwesterherz noch etwas einkaufen muß. Dann schlendern wir dort noch ein bißchen rum und entscheiden uns, dort auch gleich noch zu Abend zu essen. Schwesterherz überredet mich, eine Brotzeit für zwei zu bestellen – davon haben wir dann am nächsten und sogar am übernächsten Tag noch was.

Kirche in Murnau

Kirche in Murnau

Und dann sehen wir auch noch den schönen Sonnenuntergang an dem Baum, an dem wir immer vorbei kommen. Das war’s dann aber auch. An dem Abend bin ich so müde, daß ich nicht mal mehr versuche zu bloggen.

hachja

hachja

 

Daten der Wanderung laut GPS: 10,4km, rund 6’30h, davon 2’13h Pause, Anstieg 1238m, Abstieg 445m

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