Kinderland

Da hat jemand ins Bibliotheksbuch gemalt!

Innentitel "Kinderland"

Und zwar der Autor selber.

„Kinderland“ von Mawil ist schon 2014 erschienen. Ich habe es ein paar mal in Buchhandlungen gesehen, es hat mich aber nie so überzeugt, daß ich es kaufen wollte. Gestern habe ich es in der Bibliothek stehen sehen und dann doch mal mitgenommen.

Von der Widmung für die Bibliothek war ich ja schon ziemlich begeistert, mit folgender Geschichte hatte er mich dann ganz:

Haltewunschtaster

Dieser grüne Schalter ist der Haltewunschtaster. Als ich in die 1. Klasse ging, mußte ich eine Zeit lang regelmäßig Bus fahren. Für Kinder war dieser Taster unerreichbar weit entfernt. Leider fuhr ich auch zu einer Zeit, zu der sonst fast niemand unterwegs war und sowieso wollte da, wo ich ausstieg  niemand aussteigen. Also stand ich immer vorn beim Fahrer und mußte ihn bitten mich rauszulassen. Berliner Busfahrer waren damals nicht freundlicher als heute. Was war ich froh, als endlich die Straßenbahn wieder fuhr.

Zurück zum Buch.Es erzählt den Beginn einer Jungsfreundschaft in Ostberlin im Jahr ’89. Einiges ist sicherlich universell (Jugendliche sind Jugendliche, auf beiden Seiten der Mauer), einiges schon sehr DDR-spezifisch. Bei mir sorgte das für Erheiterung und „achja“, Leser ohne DDR-Erleben lesen das vermutlich anders. Die Geschichte endet mit dem Fall der Mauer und das finde ich schade. Ich hätte die beiden gern noch länger verfolgt.

Und ich habe noch was gelernt durch das Buch: der September ’89 war sehr warm. Ich hatte mich nämlich etwas geärgert, daß sie mehrfach am See baden waren, obwohl doch die Geschichte im September beginnt, und September nicht mehr unbedingt ein Bademonat ist. Kurze Recherche hat aber ergeben: Haut hin, da war es wirklich noch richtig warm.

Buch "Kinderland"

 

Ebenfalls aus der Bibliothek mitgenommen hatte ich mir das thematisch passende „drüben!“ von Simon Schwarz, 2009 erschienen. Erzählt wird die Geschichte der Eltern, die Anfang der 80er Jahre nach Westberlin ausreisten. Hat mich nicht überzeugt. Zum einen haben mich die permanenten Zeitsprünge in der Geschichte sehr gestört im Lesefluß, zum anderen erscheint mir der Sinnungswandel des Vaters und vor allem seiner Seminargruppe nicht nachvollziehbar. Eben noch wurde der Vater kritisch beäugt weil er ein 100%iger war, im nächsten Moment ist er Teil einer eingeschworenen Gemeinschaft. Da ist beim Erzählen etwas verloren gegangen.

Buch "drüben!"

Und als Bonbon: Heute beim Aussortieren meiner umfangreichen Postkartensammlung (was man eben so macht an freien Tagen) habe ich festgestellt, daß die DDR nicht nur die Haltewunschtaster an unmöglicher Stelle platziert hat, sondern auch eigenartige Ansichtskartenmotive. Dieses hier zum Beispiel ist Schwerin:

Ansichtskarte Schwerin

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