sinnlos durch die Stadt laufen*

Eigentlich bin ich total gern unterwegs, aber manchmal brauche ich ein Weilchen, bis ich in die Gänge komme. Heute zum Beispiel: Es war allerschönstes Wetter, aber ich konnte mich nicht aufraffen, raus zu gehen. Es wurde Mittag, es wurde Nachmittag… um 3 hab ich entschieden erstmal das Stück Kuchen zu essen, was ich noch da hatte, kurz nach 4 bin ich dann aber tatsächlich los. Und dann war es wie immer: bin ich erstmal unterwegs, dann kann ich auch noch viel länger laufen*.

Einer der Gründe, warum ich mich nicht aufraffen konnte war, daß ich nicht wußte, wohin. Ich gehe gern direkt vor der Haustür los, aber irgendwie erschien mir alles in der Umgebung lanweilig, schon x mal gelaufen und schlecht verlängerbar. Schließlich hatte ich mich entschieden, erst mal zum Friedrichshain zu laufen und dann noch irgendwie weiter.

Der Friedrichshain war voll, richtig voll. Und ich habe mich gefragt, ob die alle kein zu Hause haben und ob das früher auch schon so voll war und ich das einfach nur nicht mitbekommen habe, weil meine Eltern ja einen Garten haben und wir bei solchem Wetter natürlich immer im Garten waren. Faszinierend fand ich diese Treppe, da war nämlich fast gar nichts los:

Ich kam aus dem Neuen Hain, in dem es laut und trubelig war, ging diese Treppe hoch, wo es fast ruhig war und man den Lärm nur noch von weitem hörte und kam auf dem Plateau des Kleinen Bunkerbergs an, auf dem es wieder voll und trubelig war.

Da man von da oben aber wegen der Bäume auch nicht mehr in die Ferne sehen kann, bin ich gleich weiter, runter zum Teich, dann am Spielplatz vorbei (völlig überfüllt) und Richtung Spanienkämpferdenkmal. Da ich inzwischen die Idee hatte, irgendwie bis zur Spree zu laufen, habe ich dort die Straße überquert und bin ins gegenüberliegende Wohngebiet. Und da war nix los. Ich bin an einem Spielplatz vorbei gekommen, der absolut leer war. Und der sah nicht schlechter aus als der im Friedrichshain. Nunja, egal. Nachdem ich die Bartholomäus-Kirche mal von hinten sah, …

… entschloß ich spontan, sie zu umrunden, weil davor auf der Wiese nämlich immer viele Osterglocken blühen.

In einer Ecke blühen auch Tulpen (die sieht man aber von der Straßenbahn aus nicht).

Wieder zurück an der Straße von der ich kam stellte ich fest, daß das die Büschingstraße ist. Die kannte ich bisher nur als Straßenbahnhaltestelle. Von hier aus ging es immer geradeaus mit Versatz nach links am Platz der vereinten Nationen und schließlich war ich an der Karl-Marx-Allee angekommen.

Ok, hier erkennt man es:

Praktischer Weise gab es hier endlich eine Eisdiele. Mit zwei Kugeln in der Waffel (Schoko und Joghurt-Holunder), ging es weiter. Ich habe ja kein Smartphone, aber einen zumindest groben inneren Stadtplan und war mir sicher, daß ich die Spree finden würde. Wäre ich den großen Straßen gefolgt, wäre es ganz einfach gewesen: da oben auf dem Foto nach links und dann immer gerade aus. Aber große Straßen sind ja unschön, ich bevorzuge die Nebenstraßen und die großen Innenhöfe der DDR-Baugebiete. Hier kam ich dann auch an durchaus belebten Spielplätzen vorbei Und dann an den dunkelbunten Plattenbauten, die ich von der S-Bahn aus kenne. Danach ging es unter der Bahn durch und dann stand ich an einer großen Straße und gegenüber ging es nicht weiter, aber ich war mir ziemlich sicher, zur Spree ist es nicht weit. Also erstmal nach links, der Straße folgend, am Radialsystem vorbei (das kenne ich vom Namen her, konnte es aber geografisch so gar nicht einordnen) und bei nächster Gelegenheit wieder rechts. Und siehe da:

Die Spree! Also unter der Brücke. Da mit Blick zur Oberbaumbrücke.

Weil ich grad so schön dabei war, bin ich einfach weiter gelaufen um mir die Kirche noch vom Nahen anzusehen, bin dann aber über den Luisenstädtischen Kanal gestolpert und lieber diesem gefolgt (zur Aktion 25 Jahre Mauerfall waren wir schon mal in der Ecke, aber da war es dunkel).

Im Kanal (der inzwischen eine Gartenanlage ist), wachsen die weißen Birken, wie wir sie im Ural gesehen haben. Also wer mir nicht glaubt, daß Birken weißer sein können als unsere Birken, kann da mal nachsehen. Dem Kanal bin ich bis zum Engelbecken gefolgt und dann wußte ich auch wieder, wo auf meinem Stadtplan ich bin (im Cafe am Engelbecken hatte ich ein paar mal Chorprobe). Diesmal habe ich mir die Kirche dahinter etwas näher angesehen…

… und bin dann weiter Richtung Annenstraße gelaufen (wo ich mir mal eine Wohnung angesehen hatte).

Das mag ich so am Frühling: diese kleinen filigranen grünen Blättchen, wo wenig später ein dichtes Blätterdach ohne Durchblick sein wird.

Hinter der Heinrich-Heine-Straße wurde mir meine Vorliebe für das durchqueren großer Wohnhöfe etwas zum Verhängnis, denn das ging dann doch nicht so wie gedacht und ich mußte einen ziemlichen Umweg laufen. Nunja. Schließlich bin ich doch an der Fischerinsel angekommen und am historischen Hafen.

Ich weiß nicht, warum, aber die Mühlendammschleuse mag ich, weswegen ich fast immer vorbei gehe und einen Blick drauf werfe, wenn ich in der Nähe bin.

Und ab hier wurde der Weg dann unspektakulär. Es war schon spät genug, ich war etliche Kilometer gelaufen und wollte dann jetzt doch nur noch nach Hause. Wegen des sportlichen Aspekts zu Fuß, aber einfach direkt, keine Umwege über Nebenstraßen und Wohnhöfe.

Für die Eltern noch ein Foto vom neuen Turm der Parochialkirche ohne Gerüst (der ist so schief, ehrlich!)

Was bei diesen ausgedehnten Spaziergängen oder Stadtwanderungen immer dazu gehört: Hinterher mit GoogleMaps und dem Routenplaner für Fußgänger rausfinden wo ich eigentlich überall war und welche Strecke ich zurück gelegt habe. In diesem Fall: in den guten drei Stunden die ich unterwegs war, habe ich etwa 15 Kilometer zurück gelegt. Den Sonntag gut genutzt, würde ich sagen.

 

* Es führt gelegentlich zu Irritationen bei Menschen, die nicht aus der Berliner Gegend sind: laufen heißt woanders gehen. Das schnellere ist bei uns rennen. Wobei mit rennen manchmal auch sehr schnelles gehen gemeint ist…

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5 Kommentare

  1. Otti

     /  11. April 2017

    sehr schöne Fotos

    Antwort
  2. Schöne Bilder! Aber hee! Wo sind denn die neuesten „was schön war“-Einträge?

    Antwort
  1. Was schön war – KW14 und 15 | Hier und da

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