• Kategorien

  • Archiv

Usbekistan

Das schöne Wetter diesen Sommer hat zur Folge, daß ich fast jede freie Minute draußen oder zumindest auf dem Balkon verbringe. Das wiederum hat zur Folge, daß der vor Wochen angefangene Blogartikel über meine Usbekistan-Reise immer noch unvollendet im Entwürfe-Ordner vor sich hin dümpelte. Weil es heute viel zu heiß ist, um sich großartig zu bewegen, habe ich deswegen einfach mal den Laptop mit auf den Balkon genommen (den Bildschirm geputzt um überhaupt was sehen zu können) und den Artikel fertig gemacht. Heute also: Wetter, Essen, Sprache. Ich hoffe, die anderen geplanten Artikel kommen dann demnächst auch noch…

Usbekistan also. Nach dem ich letztes Jahr in Kirgisistan war, wollte ich unbedingt wieder nach Zentralasien. Usbekistan hatte ich allerdings sehr schnell ausgeschlossen, denn alle Reisen nach Usbekistan die ich gefunden hatte, waren Kulturreisen die als Anforderung maximal drin stehen hatten, daß man es aushalten können muß, stundenlang im Auto auf zum Teil schlechten Straßen unterwegs zu sein. Das ist ja nichts meins. Also nicht die schlechten Straßen, sondern nur ewig im Auto zu sitzen. Eine schöne Reise nach Kasachstan hatte ich gefunden. 2 Wochen wandern, zum Teil sogar Trekking mit Zeltübernachtung und so. Super. Leider wollte das außer mir keiner machen, so daß die Reise abgesagt wurde. Nun hatte ich aber schon einen genehmigten Urlaubsantrag für die Zeit und das ist bei uns derzeit viel Wert, also suchte ich eine Alternative für genau diesen Zeitraum. Und fand, unter anderem, eine Reise nach Usbekistan mit immerhin vier Wanderungen (und aber auch jede Menge Kultur). Also doch Usbekistan.

Hätte ich nicht schon den genehmigten Urlaubsantrag für die zweite Maihälfte gehabt, hätte ich mich wahrscheinlich eher für die Reise in der ersten Maihälfte entschieden. Ungefähr ab Mitte Mai nämlich ist in Usbekistan Sommer und da wird es sehr sehr warm. Heiß. Auch wir hatten schon Temperaturen deutlich über 30°C, ich meine sogar über 35°C. Vorteil allerdings: es ist sehr trocken, der Schweiß verdunstet also sofort. Und es war fast immer leicht windig. Den Sand-/Salzsturm in Chiwa haben wir zum Glück verpaßt. Dort wo wir waren haben wir nur die Wolken gesehen und es war insgesamt eher dunstig. Nachts regnete es dann heftig und nächsten Morgen war aber wieder strahlender Sonnenschein. Insgesamt haben wir mit dem Wetter – abgesehen von den Temperaturen, an die auch die Usbeken sich erst wieder gewöhnen mußten – absolut Glück gehabt.

Mit dem Essen hatte ich nicht ganz so viel Glück. Das ist in Usbekistan fast immer sehr sehr fettig und das in Verbindung mit der Hitze sorgte in einer Nacht für sehr häufige Toilettengänge meinerseits. Am nächsten Tag habe ich mich nur von Brot und Tee ernährt und danach dann immer sehr drauf geachtet, was und wieviel ich esse. Letzteres war gar nicht so einfach, denn wir bekamen fast immer drei Gänge serviert, manchmal auch vier. Es begann mit Salaten als Vorspeise. Meist standen drei zur Auswahl mittig auf dem Tisch, von denen jeder sich nehmen konnte, soviel er wollte. Es waren höchst selten grüne Salate, sondern eher aus eingelegtem Gemüse, oder Kartoffelsalat, oder Rote Bete, einmal auch Glasnudelsalat, gelegentlich auch gegrilltes Gemüse. Dazu das hochgelobte usbekische Brot (das ganz frisch wirklich gut schmeckt, sonst eben wie Weißbrot). Nach den Salaten gab es im ersten Teil der Reise immer eine Suppe (häufig Brühe mit Fleisch und großen Stücken von Kartoffeln und Möhren), später nicht mehr. Dann der Hauptgang, zumeist Fleisch mit Beilage, sehr fettig. Und dann noch ein Nachtisch. Und dann war man sehr sehr satt. Zum Nachtisch gab es immer den Tee (meist grün, manchmal auch grün und schwarz zur Auswahl), und Wodka trinkt man in Usbekistan grundsätzlich nur bis zum Tee. Was wir außerdem gelernt haben: Bekommt man in Usbekistan zum Nachtisch Melone (Honigmelone?) serviert, ist das ein Zeichen für „es war schön mit dir, aber jetzt solltest du gehen. Es war aber noch nicht Melonenzeit und meist bestand der Nachtisch aus Kuchen oder anderem Gebäck.
Kirschenzeit war, als wir dort waren. Und die ersten Aprikosen gab es auch schon. Beides gab es meist beim Frühstücksbuffet. Außerdem waren die Maulbeeren reif (die Früchte der Maulbeerbäume). Die ersten, die wir kosteten, überzeugten mich nicht sonderlich, aber bei der letzten Wanderung in den Nuratabergen probierte ich dann doch noch mal und ärgerte mich, daß ich das nicht viel früher schon gemacht hatte (wie die anderen). Maulbeeren schmecken vor allem süß und ein bißchen fruchtig.
Zurück zum Frühstück. Hier merkt man deutlich den russischen Einfluß, denn fast immer gab es Blinis, zwei Mal auch Kascha, ein mal Spiegelei – oder eben Buffet, wo man zwischen allem wählen konnte. Dazu Brot, Käse, Marmelade, und natürlich Tee. Wobei es in Usbekistan – im Gegensatz zu Kirgisistan – immer auch löslichen Kaffee gab.

In Usbekistan wird Usbekisch gesprochen (wer hätte das gedacht?). Usbekisch ist eine Turksprache, wer Türkisch beherscht, kann sich vermutlich mit den Usbeken verständigen (zumindest erzählte unser usbekischer Reiseleiter, daß er sich auf Usbekisch mit den Türken in Wien und Berlin unterhalten hat). Neben dem Usbekischen ist auch Russisch wieder Amtsprache in Usbekistan. Außerdem werden auch noch regionale Dialekte gesprochen, in Buchara zum Beispiel ein persischer Dialekt. Und zumindest unser Reiseleiter wechselte munter zwischen den Sprachen hin und her.
In der Schule wird neben Russisch auch Englisch gelehrt, man sollte davon aber nicht zu viel erwarten. Von Kindern sind wir häufig mit „Hello, how are you“ angesprochen – auf die Gegenfrage gab es aber höchst selten eine Antwort. Und in Buchara haben wir eine Gruppe Jugendlicher getroffen, die von ihren Lehrern als Hausaufgabe auf bekommen hatte, mit den Touristen zu sprechen. Aber die meisten Erwachsenen sprechen uns wenn überhaupt dann meist mit „Photo?“ an und viel mehr Konversation war dann meist auch nicht möglich.

Vorheriger Beitrag

Ein Kommentar

  1. Otti

     /  31. Juli 2018

    die fliesen sind ja allesamt Klasse