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WMDEDGT – Oktober 18

Heute gibt es das Tagebuchbloggen wieder in der Urlaubsedition: Ich befinde mich gerade in Hualien, Taiwan.

Der Wecker klingelt um halb 7. Jetzt zu sagen: „Das ist ja früher, als würde ich arbeiten gehen“ ist etwas albern, denn wir sind der Mitteleuropäischen Zeit sowieso 6 Stunden voraus. Darum tu ich das nicht. Ich hatte gerade intensiv geträumt und brauche eine ganze Weile, bis ich in die Gänge komme, beim Weckanruf um 7 bin ich noch längst nicht so weit wie gestern um die gleiche Zeit. Aber 10 nach 7 bin ich auf dem Weg zum Frühstück. Es gibt, wie in allen Hotels hier bisher, ein großes Buffet mit lauter spannenden Dingen, die man nicht immer identifizieren kann. Hier stehen aber sogar Erklärschilder. Gestern habe ich mich schon über die Aussagekraft von „Seasonal Vegetables“ amüsiert. Das wird heute noch getoppt von „Chief’s Recomendation“. Schmeckt aber (ich probiere ja grundsätzlich fast alles).

Nach dem Frühstück noch mal auf’s Zimmer, etwas Gymnastik für Nacken und Schultern, etwas aufräumen, etwas lesen. Kurz vor halb 9 wieder runter, halb 9 kommt der Bus und wir fahren wieder in die Tarokoschlucht. Unser erstes Ziel heute ist der Shakadan Trail. Leider kann ich keine Fotos zeigen, da Kamera und Tablet nicht miteinander reden. Es ist einfach wunderschön. Steil abfallende Felswände, unten helles Gestein und darüber fließend türkisblaues Wasser. Ich verliere ziemlich schnell den Anschluß zur Gruppe. Das ist aber nicht schlimm, da es eh kein Rundweg und der Weg selbst auch sehr eindeutig zu finden ist. Einziges Manko der Wanderung: Obwohl weitestgehend schattig, ist es sehr warm, dafür auch mit hoher Luftfeuchtigkeit und fast ohne Wind. Das macht mir sehr zu schaffen. Immerhin ist der Weg heute fast eben.

Am Wendepunkt treffe ich die anderen wieder. Dort ist es auch etwas windig, ich kann etwas abkühlen und so fällt mir der Rückweg ersteinmal deutlich leichter. Erst dort, wo die Schlucht wieder sehr schmal ist, wird es mir wieder deutlich zu warm. Ein anderer (deutlich älterer) aus der Gruppe hat aber deutlich größere Probleme. Er kippt uns fast um, wir müssen ihm erstmal Wasser geben weil er keins mehr hat, nehmen ihm den Rucksack ab und richten ihm seine Trekkingstöcke ein, damit er wieder stabiler läuft. Die Treppe zur Straße hoch kommt er aber schon wieder recht gut.

Wir sind dadurch zwar später dran als geplant, aber zum Glück noch nicht zu spät für unsere Reservierung im Ureinwohnerrestaurant. Wir hatten uns vermutlich alle etwas anderes darunter vorgestellt, als es dann tatsächlich war (ohne, daß ich genau sagen könnte, was ich erwartet habe, nur eben das nicht), nämlich ziemlich großer Betrieb mit leichter Kantinenanmutung, aber das Essen zumindest ist wohl vom Essen der Ureinwohner inspiriert (es arbeiten dort auch nur Ureineohner) und schmeckt gut. Nur Pflaumensaft mit Raucharoma schmeckt nicht.

Nach dem Essen hat es sich deutlich zugezogen, was etwas schade ist auf unserer nächsten kleinen Wanderung zum Bayang-Wasserfall. Aber Fotos kann ich ja eh grad nicht zeigen. Unser Guide nimmt die Helmpflicht bzw. -empfehlung sehr ernst und so laufen wir als die einzigen mit Helm auf dem Trail. Ich, weil ich beim Gehen gern die Hände frei hab, sogar die ganze Zeit mit Helm auf dem Kopf. Man wird komisch angesehen. Andererseits hat es da vor drei Tagen erst einen größeren Steinschlag gegeben… Zum Wasserfall wandert man durch mehrere Tunnel. Im ersten sehen wir Fledermäuse hängen und im letzten Tunnel hört man schon das Grollen des fallenden Wassers, bevor man es sieht. Der Wasserfall ist beeindruckend hoch und die Hängebrücke davor darf nicht mit Motorroller oder von schwangeren Frauen überquert werden. Nunja. Auf dem Rückweg hören wir im ersten Tunnel die Fledermäuse und sehen sie dann auch wegfliegen (alle Tunnel übrigens unbeleuchtet, ich trage also nicht nur Helm, sondern auch Stirnlampe). Danach geht es dann noch zum „Schrein des ewigen Frühlings“. Dort ist wieder Massenbetrieb. Das An- und Abfahren der Touristenbusse sähe als Zeitrafferaufnahme bestimmt klasse aus. Wir können das ein wenig beobachten während wir darauf warten, daß unser Bus wieder kommt um uns abzuholen.

Dann geht es zurück nach Hualien, wo wir gegen halb 7 am Hotel eintreffen. Ich will erstmal dringend unter die Dusche, denn ich klebe am ganzen Körper. Hunger habe ich aber auch und Picknick für die Mittagspausen der nächsten zwei Tage benötige ich auch noch. So verabrede ich mich mit ein paar anderen in einer halben Stunde wieder unten vorm Hotel. Daß das Abendessen fast nie zum Reiseprogramm gehört, hat uns schon ein paar tolle Erlebnisse beschert, an Tagen wie heute, an denen ich einfach nur müde bin, finde ich es aber eher doof, mir in einem völlig fremden Land mit ganz anderer Kultur und ohne gemeinsame Sprache, noch etwas zu essen suchen zu müssen. Klar, Sandwich aus der Kühltheke geht immer. Ich will aber schon richtig essen. Die anderen auch und irgendwie schaffen wir es recht schnell, uns in Bewegung zu setzen und landen schließlich in dem Lokal, in dem wir vor zwei Tagen schon mal waren. Heute ist aber eine deutlich freundlichere Kellnerin dort, die sogar etwas englisch spricht, und so klappt das ganz gut. Ich probiere endlich mal die Rindersuppe mit Nudeln, die typisch sein soll für Taiwan* und nehme außerdem noch ein Mal Gemüse der Saison (Chinakohl, bißchen Möhre und anderes in der Pfanne geschwenkt). Das Gemüse schmeckt ähnlich wie im Hotel, die Suppe ist sehr heiß und leicht scharf. Zum Schluß bekomme ich noch einen Dim Sun von den anderen ab, den einzigen mit Shrimp-Füllung, wie sich dann herausstellte.

Danach hab ich wieder Kraft noch ein bißchen bummeln zu gehen und so gehen wir bummeln in einem „Kulturindustriegebiet“. Dann klappern wir noch ein paar Conviniencestores ab auf der Suche nach Picknick. Der erste hatte gar keine Onigiri mehr, der zweite nur ein paar, beim dritten gibt es dann richtig Auswahl. Danach dann zurück ins Hotel. Einkäufe verstauen, Kram sortieren, Blogartikel schreiben. Inzwischen ist es hier fast 11, ich bin eh schon lange hundemüde, weswegen ich jetzt ins Bett verschwinden werde. Morgen muß ich noch früher aufstehe, denn wir fahren noch früher los und außerdem ziehen wir weiter, ich muß also wieder packen. Und den Beitrag morgen noch bei Frau Brüllen verlinken, wo man dann auch die anderen Tagebuchblogger findet. Heute geht noch nicht, in Mitteleuropa ist es erst kurz vor 5.

* Tatsächlich wollten wir ursprünglich in einen Laden, in dem es nur diese Suppe gibt. Zum Glück war kein Tisch mehr frei, wir hätten absolut nicht gewußt, wie man das macht/was man da macht.

Editiert am 6.10.: Diverse Tablettastatur- und Müdigkeits-bedingte Tippfehler beseitigt.

2 Kommentare

  1. Otti

     /  7. Oktober 2018

    Und was ist nun Onigiri?

    • Ganz vereinfacht: großes Sushi zum Mitnehmen. Reis mit Füllung (die immer wieder überraschend ist, weil wir das Bild nicht interpretieren können und die Schriftzeichen erst recht nicht) und Algen drumrum.