• Kategorien

  • Archiv

Japanisch Teil 2

Nach meinem ersten Japanischkurstermin habe ich nicht nur am Wochenende mehrere Stunden lang Schriftzeichen gelernt, sondern das tatsächlich jeden Abend fortgesetzt. Montag bestimmt noch mal eine Stunde, dann habe ich eingesehen, daß die Aufnahmekapazität nach einem langen Arbeitstag begrenzter ist als am Wochenende, eine halbe Stunde war es aber jeweils mindestens. Und Donnerstag abend konnte ich nicht nur alle Schriftzeichen erkennen, sondern auch schreiben (zumindest so gut, daß sie die App erkannte). Außerdem habe ich mir das Lehrbuch besorgt, in das ich so richtig aber Freitag auf der Fahrt zum nächsten Termin reingesehen habe.

Ich hatte ja nach dem ersten Termin gelästert, daß wir das zweite Silbenalphabet dann in der zweiten Stunde lernen würden. Dem war tatsächlich so! Erst haben wir kurz wiederholt, was wir beim ersten Mal durchgenommen haben. Konkret: die Lehrerin hat die Bilder der Situationen gezeigt für die wir Dialoge gelernt hatten (Begrüßen, Entschuldigen, Verabschieden). Und dann ging es wirklich weiter mit den nächsten Schriftzeichen. Das „Lernen“ sieht so aus: Die Lehrerin zeigt ein Bild des Schriftzeichens mit Bild drumrum vor, das als Eselsbrücke dienen soll (Earring für „i“, zum Beispiel), wir wiederholen 4 bis 5 mal die Silbe, die dargestellt wird, dann kommt das nächste Schriftzeichen dran, bis wir 15 Schriftzeichen durch haben. Dann bekommen wir paarweise Minikärtchen mit den eben gelernten Schriftzeichen mit denen wir das noch mal wiederholen sollen. Die Zeit reicht aus, um mit Raten oder dann doch Nachsehen auf der Rückseite, alle Schriftzeichen ein Mal zu benennen. Dann zeigt sie auf der Tabelle vorn willkürlich nacheinander 3-4 Schriftzeichen, die wir benennen sollen. Es folgten neue Vokabeln. Diesmal waren das Lehreraufforderungen im Unterricht, also sowas wie „zuhören!“, „sprechen“, „Buch aufschlagen“. Die müssen wir nicht selbst sagen, aber erkennen können. Vorgehen beim Lernen: Sie zeigte auf’s Bild, sprach die dazugehörige Wendung ein paar mal und wir sollten die Geste dazu machen. Das ist ungeheuer effektiv, wenn vieles sehr gleich klingt und man wie ich eher optisch lernt. 7 Bilder sind wir so durchgegangen. Danach wieder Kärtchen, diesmal auf einer Seite in klein das Bild, auf der anderen in lateinischen Buchstaben die Wendung. Danach wieder Schriftzeichen. Dann andere Wendungen aus dem Unterrichtsgeschehen (sowas „Bitte wiederholen sie das noch einmal“, „Bitte etwas langsamer“, „Was bedeutet…“). Vorsprechen, allle gemeinsam Nachsprechen, Wiederholen, das nächste. Dann wieder Schriftzeichen. Danach hatten wir dann alle Schriftzeichen zusammen und sie hat die Anwesenheitsliste kontrolliert. So richtig klassisch mit Aufrufen. Neu diesmal: nachdem man sich gemeldet hatte, bekam man einen Zettel mit seinem Namen in Katakana. Denn das Alphabet, was wir diesmal gelernt haben, wird genutzt um alles Nicht-Japanische, also Namen und Lehnwörter, zu schreiben. Hier gab es dann immerhin auch mal etwas Erklärung, denn Japaner können bis auf das „n“ Konsonanten nur mit Vokal aussprechen. Das heißt für nicht-japanische Namen: Nach jedem Konsonant muß ein Vokal (meist u, nach d und t ein o) eingefügt werden. Aus Dresden wird so Doresuden. Ich hab noch Glück, mein Name enthält nur einmal zwei aufeinander folgende Konsonanten, Christoffer oder Alexander haben es da schon schwerer (denn x ist ja nur die Kurzform für ks, da gehört also auch ein u dazwischen). Immerhin geht es dabei schon sehr um die Aussprache, aus dem -er wird, zumindest bei deutschen Namen, also ein a. (Da die Russen das r am Ende sehr deutlich sprechen, würde aus einem Russischen Alexander also ein Alekusanuderu). Danach haben wir noch gelernt, wie man sich jemandem vorstellt und durften das dann in einem Spiel ausprobieren. Das ist quasi Stopp-Tanz: Alle, bis auf die Lehrerin laufen durch den Klassenraum, die Lehrerin singt und wenn sie aufhört bleiben wir stehen und führen mit den nächststehenden Person ein „Gespräch“. Also wir führen den eben gelernten Dialog auf. Wobei sich dann schnell herausstellte, daß es unterschiedliche Interpretationen gab, wer welchen Teil des Dialogs sagt. Und dann waren zum Glück die 90 Minuten rum und ich ziemlich K.O.

Und außerdem so gefrustet, daß ich das ganze Wochenende fast nix für Japanisch gemacht habe. Heute habe ich vor dem Schreiben des Blogartikels mal kontrolliert, wieviele Schriftzeichen ich noch schreiben kann (ziemlich viele. ca. die Hälfte komplett ohne Hilfe, den Rest mit, nur 3 (von 46) gar nicht)). Gestern abend habe ich mir die Audiodateien zum Buch runtergeladen. Und die Vokabelliste. Und tatsächlich die Dialoge von der ersten Stunde mir angehört mit Blick ins Buch. Dann wollte ich nachsehen, was dieser eine Dialog mit dem Glas denn eigentlich nun bedeutet, habe aber zwei der drei Wörter nicht in der Vokabelliste gefunden. Toll. Wieder gefrustet. (Lehrerin fragen ist schwierig, da sie fast kein Deutsch oder Englisch spricht).

 

Fazit: Meine Idee war ja, Japanisch zu lernen, weil man nach meiner Erfahrung mit dem Erlernen einer Sprache durchaus auch etwas von der Kultur lernt. So bestimmte Eigenheiten halt. Ich hatte nicht daran gedacht, daß man auch durch die Art des Unterrichts schon sehr viel Kultur abbekommt. Natürlich hab ich schon gehört/gelesen daß in Asien vor allem auswendig gelernt wird und Frontalunterricht vorherrscht. Das dann aber direkt zu erleben ist noch mal eine andere Sache.
Mit fehlt grad so ein bißchen die Motivation. Daß ich immer noch nicht weiß, ob mein Urlaub überhaupt genehmigt wird, ist da nicht gerade hilfreich. Und, naja, die Art des Unterrichts paßt so überhaupt gar nicht zu mir (ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt irgendjemand so eine Sprache lernen kann), ich werde mir also was einfallen lassen müssen, wie ich da trotzdem was lerne.

Vorheriger Beitrag
Nächster Beitrag