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Klassentreffen, Wanderlust und immer noch Sommer – Schön und gut der ersten Septemberhälfte 2018

Am 1. September hatten wir Klassentreffen. Passend, die runde Anzahl an Jahren seit dem Abitur an dem Tag unserer Einschulung (die noch viel länger her ist) zu begehen. Und obwohl das Abi nun wirklich schon lange her ist, wirkten die meisten doch noch sehr vertraut. Nur einer hat sich so sehr geändert, daß ihn keiner auf Anhieb wieder erkannt hat. Aber selbst bei ihm waren Stimme, Gestik und Mimik eigentlich unverändert. Schön fand ich, daß das ganze überhaupt kein „Mein Haus, mein Boot, mein Auto“-Ding war. „Und, was machst du so?“ war die übliche Frage, und dann hat man halt erzählt. Spannend fand ich, daß doch recht wenige etwas aus ihrem Abi gemacht haben, also für das, was sie jetzt tun, kein Abi benötigt hätte. (Daß ein evtl. folgendes Studium an unserem Gymnasium überhaupt keine Rolle spielte und wir eher auf Ausbildung vorbereitet wurden, war mir aber schon früher aufgefallen). Am spannendsten fand ich aber die Klassenkameradin, die für ihren jetztigen Job definitiv kein Abi benötigt hätte und doch am glücklichsten von allen wirkte. Sie hat ein paar Jahre ihren Traum verwirklicht, festgestellt, daß das nicht das Gelbe vom Ei ist (weil man da nichts verdient) und sich dann den bestmöglichen Kompromiss aus Traum und Geldverdienen gesucht. Und sie wirkte wirklich absolut zufrieden. Ansonsten haben inzwischen tatsächlich fast alle Kinder, einige haben ein Haus gebaut, aber erstaunlich viele wohnen immer noch in Prenzlauer Berg oder direkter Umgebung. Andere kamen aus Flensburg, Basel, Helsinki oder gar Amerika. Einige machen immer noch den gleichen Job wie vor 15 Jahren, andere haben immerhin mal den Arbeitgeber gewechselt, zwei auch noch mal ganz von vorn angefangen. Und einer versucht mit so wenige Aufwand wie möglich durchs Leben zu kommen, hat sich in einem Leben auf Harzt4-Niveau eingerichtet und prahlte regelrecht damit, in seinem letzten Job Geld bekommen, aber nix getan zu haben. Es war ein unterhaltsamer Abend. (Schön fand ich auch die ehemalige Klassenkameradin, die meinte, es fiele ihr auch sehr schwer, mit anderen ins Gespräch zu kommen und die im Laufe des Abends mit wirklich fast allen sprach und bei allen auch Anknüpfungspunkte von früher hatte – aber klar, es fällt ihr schwer, mit anderen zu reden.)

Und vermutlich gerade weil es so wirkte, als wäre unser letztes Treffen gerade erst gewesen, war ich den ganzen Sonntag dann noch mit Gedanken sortieren und Standortbestimmung beschäftigt: Was hab ich errreicht, wo stehe ich jetzt, wo will ich eigentlich hin? Und überhaupt.

Dann kam die Arbeitswoche und mir blieb nicht mehr viel Zeit für Gedanken. Immerhin mach ich inzwischen wieder deutlich Fortschritte. Ich habe begriffen (glaube ich), wie die Tools funktionieren, oder zumindest wie und in welcher Reihenfolge was getan werden muß. Das ist alles etwas eigen, aber so langsam wird es. Das Einarbeiten in den fremden Code funktioniert immer besser und schneller und ich finde es nur etwas schade, daß niemand würdigen wird und kann, was ich da gerade leiste (und ich muß mir in Anbetracht der knappen Zeit immer wieder sagen, daß ich es nur funktionierend machen muß, nicht wirklich gut, auch wenn das so gar nicht meinen Ansprüchen an mich und meine Arbeit entspricht (klappt auch nicht immer gut)).

Zwei Mal bin ich mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. Mittwoch ging es richtig gut, Freitag eher nicht so. Aber obwohl ich zwischendurch intensiv überlegt habe, das letzte Stück mit der S-Bahn zu fahren, bin ich doch die ganze Strecke geradelt – Training für den nächsten Urlaub.

Außerdem hatte ich Dienstag meinen ersten Schwedischkurs dieses Semester. Für den Donnerstagskurs gibt es dieses Semester nicht genügend Anmeldungen, also gehe ich Dienstags zur gleichen Lehrerin bei gleichen Niveau. Aber es sind doch andere Teilnehmer und damit ist alles anders. Außerdem gibt es da mehr Hausaufgaben. Danach bin ich zu Fuß nach Hause, auch wenn der Weg wieder deutlich länger ist als vom Donnerstagskurs. Und zu Hause dann fast direkt ins Bett, auch wenn es noch relativ zeitig war. Ich war einfach hundemüde.

Überhaupt, müde. Sonnabend habe ich mich nach dem Marktbesuch noch mal hingelegt und weitere anderthalb Stunden geschlafen (in der Nacht zuvor immerhin ungefähr 9, wenn auch sehr schlecht). Danach ging es dann endlich halbwegs. Weil ich wußte, daß auch die nächste Arbeitswoche sehr anstrengend werden würde, wollte ich schon mal so viel wie möglich an Haushaltskram erledigen. Naja, ich war wenigstens alles einkaufen, was mir so einfiel. Dann bin ich zu Fuß zum Alex, weil die Sonne schien und ich noch wegen des Geburtstagsgeschenks für’s Schwesterherz gucken wollte. Sind da inzwischen viele Touristen unterwegs! Sogar in Bereichen, in denen früher nie Touristen waren! Muß das so? Ich hab ja nicht prinzipiell etwas gegen Touristen, bin ja selber oft genug als Tourist unterwegs, aber soooo viele! Wohnen würde ich da nicht mehr wollen… Zurück ging es dann mit der Straßenbahn. Den Rest des Tages habe ich auf dem Sofa verbracht, und da ich um 10 schon wieder müde war, bin ich relativ zeitig ins Bett.

Eigentlich hatte ich ja gedacht, daß ich früher wach würde, habe dann aber doch bis halb 10 geschlafen und danach gemütlich auf dem Balkon gefrühstückt (geht inzwischen nur noch selten, weil es nachts dann doch schon Herbst ist). Und somit war es dann eigentlich schon zu spät, um mit nur wenig Anstehen in die Alte Nationalgalerie zu kommen. Ich bin dann aber trotzdem hingefahren, denn die Ausstellung „Wanderlust“ wollte ich unbedingt sehen, und es war das vorletzte Wochenende und am letzten Wochenende würde es erst Recht voll werden, dachte ich mir. Ich habe dann ca. eine dreiviertel Stunde gewartet bis ich rein kam, aber es war warm, sonnig, zwischendurch spielte einer gut auf der Trompete und ich habe mich mit den vor und hinter mir Wartenden unterhalten. Da wirkte es gar nicht so lang.

Bloglesen wirkt. Bei Anke Gröner habe ich gelesen, daß sie, seit sie Kunstgeschichte studiert, sich erstmal vor das Bild stellt und sich quasi selbst beschreibt, was sie dort sieht und erst danach den Erklärtext liest. So habe ich das auch gemacht: Bild betrachten. Was sehe ich? Woran erinnert es mich? Was macht es mit mir? Die Erklärtexte habe ich mir (bis auf den Titel) meist gar nicht durchgelesen, weil ich eh vor hatte, den Katalog zu kaufen. Was mir sehr schnell aufgefallen ist: Viele der Bilder hätte ich so auch fotografiert, oder habe ich sogar so ähnlich schon fotografiert. Habe dann überlegt, ob sich diese Motive eben einfach anbieten, oder ob das eine Folge davon ist, daß ich schon als Kind in Ausstellungen „geschleppt“ wurde. Nachdrucke einiger Bilder von Caspar David Friedrich hingen ja auch in der Wohnung. Was mir außerdem aufgefallen ist: Die Maler konnten Lichtpunkte einfach dort setzen, wo sie wollten. Als Fotograf ist man ja leider darauf angewiesen, daß Sonne und Wolken mitspielen. Außerdem konnten sie auch unliebsames, was das Motiv störte, einfach weglassen. Oder anderes hinzufügen. Oder einfach komplett „Versatzstücke“ zusammenmontieren. So hat Caspar David Friedrich die Hohneklippen aus dem Harz einfach in den Vordergrund des Watzmann gemalt. Und Schinkels Bilder nach der Italienreise sind einfach völlig frei zusammengestellte Fantasielandschaften. Dafür dauert das Malen natürlich wesentlich länger als das Fotografieren. Auch faszinierend fand ich die verschiedenen Stilrichtungen und Techniken (fast) direkt nebeneinander hängen zu haben. Da gab es einerseits die Gemälde, bei der jedes einzelne Blatt des Baumes gemalt war und andererseits aus späterer Epoche die Blumenwiese, wo die Blumen nur durch kleine Farbtupfer dargestellt wurden.
Die Ausstellung zeigte aber nicht nur Bilder, sondern auch Bücher aus der Zeit, als die Natur, die Gegend als Ziel von Ausflügen und Wanderungen entdeckt wurde. Einige derTitel hätten auch von der aktuellen Bestsellerliste stammen können: „Meine Reisen zu Fuß, oder Beobachtungen über menschliche Schwachheiten“ (Christian Gotthold Hauffe, 1789), „Die Spatziergänge oder die Kunst spatzieren zu gehen“ (Karl Gottlob Schelle, 1802) oder „Das Wanderbuch eines Schwermütigen“ (Daniel Leßmann, 1831).
Bei den Büchern ärgerte ich mich erst, keine Kamera dabei zu haben um die Titel als Gedeächtnisstütze fotografieren zu können. Dann fiel mir ein, daß ich ja Zettel und Stift dabei hatte und so stand ich in der Ausstellung und notierte mir das ganz altmodisch per Hand. Und wo ich schon dabei war, nutze ich das auch gleich, um die Titel meiner Favoriten zu notieren. Am meisten angesprochen hat mich „Waldinneres bei Mondschein“ von Caspar David Friedrich, das aber eigentlich gar nicht zur Ausstellung gehört, sondern immer dort hängt. Schinkels „Der Morgen“ löste ähnliches aus (und gehörte zur Ausstellung). Beieindruckt hat mich „Portrait Iwan Schischkin“ von I.N. Kramksoi (das von 1873, er hat ihn mehrfach gemalt, wie ich grad feststellte), weil das aussah wie fotografiert – und dann auch noch riesig.
Gute anderthalb Stunden bin ich in der Ausstellung gewesen. Es war gut besucht aber nicht zu voll – was daran lag, daß das Museumspersonal darauf achtet, nicht zu viele Besucher gleichzeitig in die oberste Etage zulassen, wie ich beim gehen feststellte. Den Rest des Museums habe ich ignoriert, nur beim Shop bin ich noch mal stehen geblieben. Neben dem Katalog habe ich noch eine große Kunstpostkarte („In freier Natur“ von Richard Riemerschmid) und die Bergsteigerin von Jens Ferdinand Willemsen als Poster – die beiden einzigen Bilder der Ausstellung, die Frauen tatsächlich beim Wandern (bzw. annähernd beim Wandern in Riemerschmids Fall) zeigen. Damals wanderten Frauen noch nicht. Die Bergsteigerin hängt jetzt bei mir im Flur (läßt sich da aber eher schlecht fotografieren).

Danach ging es dann direkt nach Hause. Eigentlich wollte ich mir dort Zucchini zum Mittag machen. Da es aber schon kurz vor 3 war, wurde es dann ein Apfelcrumble nach Frau Brise (Blogs und so…)

Den Rest des Nachmittags schön in der Sonne auf dem Balkon gesessen und gelesen und diesen Beitrag angefangen (ich glaub, noch an keinem Blogbeitrag hab ich so lang geschrieben wie an diesem).

Abends dann noch SkateNight. Die letzte des Jahres. Hätte schön werden können. Es war deutlich wärmer als zwei Wochen zuvor*, das Tempo etwas schneller, damit die Läufer nicht ganz so dicht gedrängt. Dann machte mir aber ein Wechsel des Asphalts von sehr glatt zu extrem rau Probleme (rau stoppt) und ich hab mich hingepackt. Nix passiert bis auf kleine Schürfwunde am Daumengelenk, ich bin ja immer in kompletter Schutzausrüstung unterwegs, aber Stimmung bei mir war doch doof hinterher. Dazu kamen Kopfschmerzen (irgendwie vom Helm, als ich ihn in der Pause abnahm, hörten sie auf). Jedenfalls hab ich diesmal auf die zweite Runde verzichtet, auch wenn  konditionell durchaus noch was gegangen wäre. Da ich aber die Pause noch mit Schwesterherz und ihren Vereinskollegen gequatscht habe und mich erst umzog als alle Läufer wieder weg waren, hatte ich die Fotobox dann für mich und hab noch ein schönes Foto gemacht.

 

 

* Das hab ich gar nicht berichtet, glaub ich, daß die so langsam war, daß ich sogar alle beiden Runden mitgelaufen bin. Auch, weil ich am Montag danach frei hatte.